Am 25. August landen wir nach einem langen Flug mit erstaunlich viel Schlaf einigermaßen pünktlich in Kapstadt. Obwohl doch jetzt gerade ein neuer Lebensabschnitt beginnt, ist der Landeanflug dieses Mal nicht so von Emotionen geprägt, aber unsere Freude ist unverändert groß.
Wie schon im Vorjahr sind Teile der Gegend rund um den Flughafen vom vielen winterlichen Regen überflutet. Später hören wir immer wieder, dass dies ein langer, kalter und regenreicher Winter im Kap war.

Über die eher niedrigen Temperaturen war man nicht so glücklich, denn viele Häuser verfügen über keine Heizung oder nur über teure Elektroheizungen, die man dann aus Kostengründen eher doch nicht anstellt. Über den Regen allerdings ist man froh, denn in den letzten Jahren wurde teilweise im Sommer das Wasser knapp. Jetzt ist ausreichend Grundwasser da und die Dämme sind gut gefüllt.
Die Schlange am Immigration Desk ist dieses Mal super kurz und auch auf unsere Koffer – hurra, alles ist unversehrt angekommen – müssen wir nicht lange warten. Mit unserem Auto, das wir zunächst einmal für drei Monate gemietet haben, klappt alles recht schnell. Allerdings fehlt die von uns bestellte und zugesagte Anhängerkupplung. Autos dieser Größe gebe es gar nicht mit Anhängerkupplung in der Vermietung … Nun gut, wir werden andere Möglichkeiten finden, größere Gegenstände in der Einrichtungsphase zu transportieren. Im Moment sind wir erst einmal froh, dass Lizette & Louis mit dem Bus gekommen sind, denn in einem normalen Auto hätten wir das ganze Gepäck ja gar nicht unterbringen können.
Einiges ist sehr ähnlich wie vor einem Jahr. Wieder werden wir von Lizette & Louis mit herzlichem Winken begrüßt und wieder machen wir am Nachmittag nach einer kurzen Pause den ersten kleinen Ausflug.







Am nächsten Morgen regnet es in Strömen und es ist kalt. Richtiges Ussel-Wetter … Die Heizdecken im Bett haben echt gute Dienste getan. Jetzt kramen wir erst einmal nach unseren Regenschirmen im Koffer.
Die Woche startet mit einem Besuch in unserem Haus. Wir wollen verbindlich klären, wie der Übergang des Hauses von den Vorbesitzern und unseren jetzigen Mietern im Laufe der Woche vonstattengehen soll.
Das Haus ist schon einigermaßen leergeräumt und jetzt sieht man sehr deutlich die ganzen Ecken, wo Renovierungsbedarf besteht. Da wird einiges zu tun sein, um es wieder schön zu machen, aber es scheinen alles eher die typischen Arbeiten zu sein, die anfallen, wenn man ein Haus übernimmt. Was jetzt noch an Möbeln und Haushaltsgegenständen da ist und wir nicht übernehmen wollen, wird am Mittwoch endgültig abgeholt. Wir werden in jedem Fall alles wichtige haben, um in einer Woche hier einzuziehen: Bett mit Decken, Kissen und Bezügen, funktionierende Bäder mit Handtüchern, Küche mit den üblichen Küchengeräten und Minimalausstattung an Koch- und Essgeschirr sowie ein großes Sammelsurium an Gläsern. Ein großer Tisch mit sechs Stühlen (eigentlich Terrassenmöbel) und ein schon etwas in die Jahre gekommenes Sofa mit zwei alten Ohrensesseln sind auch noch da. In der Garage ist eine – wenn auch nicht mehr ganz taufrische - Ansammlung von Werkzeugen aller Art und im Geräteschuppen sind alle möglichen Gartengeräte, die auch hierbleiben.
Heute merken wir so richtig, wie gebrechlich Anneke und Radboud doch schon sind. Unsicherer Gang, Radboud sucht immer wieder nach Worten und bei unserem Versuch, herauszufinden, ob und wie wir den Vertrag mit dem Internetanbieter übernehmen können, stellen wir fest, dass Radboud keinerlei Unterlagen mehr dazu hat und eigentlich gar nicht weiß, was für einen Vertrag er hat. Wir vereinbaren, gemeinsam zu einem Vodacom-Laden zu gehen, um das Thema direkt vor Ort zu klären.
Anneke und Radboud haben zwei Angestellte, die jeweils freitags kommen und sich dann um Haushaltsdinge (Putzen, Waschen, Bügeln) und um den Garten kümmern. Soflina und Galu. Radboud hatte uns gefragt, ob wir die beiden „übernehmen“ wollen. Beide würden schon seit vielen Jahren für Anneke und Radboud arbeiten und seien sehr zuverlässig, also haben wir zugestimmt. Die beiden verlören ansonsten auch erst einmal ihre Jobs hier und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Soflina lernen wir heute schon kennen, leider verbunden mit einem traurigen Ereignis. Einer von Soflinas Söhnen ist am Samstag tödlich verunglückt. Das haben Anneke und Radboud aber auch erst gerade von ihr erfahren. Und trotzdem ist sie heute gekommen … Am kommenden Samstag wird die Beisetzung sein. Wir sagen Soflina sofort, dass sie dann am Freitag natürlich nicht kommen muss, auch wenn wir das Haus so nicht frisch geputzt übernehmen werden. Das scheint nicht selbstverständlich zu sein.
Die nächsten Tage verbringen wir damit, Handwerker zu kontaktieren, damit es in der kommenden Woche direkt losgehen kann; alle Kontakte basieren auf irgendwelchen Empfehlungen. Aus Deutschland kommend kaum zu glauben, aber Handwerker sind tatsächlich innerhalb einer Woche verfügbar. Wir versuchen, für jedes Gewerk mindestens zwei Angebote zu bekommen und entscheiden uns am Ende dann doch für die mutmaßlich teuersten, weil sie einfach auch den zuverlässigsten Eindruck machen und einander kennen und zuarbeiten können.
Ansonsten verbringen wir die Tage mit Fahrten von Möbelgeschäft zu Baumarkt, von Lampengeschäft zu Haushaltswarengeschäft, von Heimtextilienladen zum Secondhand-Möbelgeschäft und so weiter und so weiter … Wie beschränken uns komplett auf Somerset West, weil man hier alles bekommen kann, solange man nicht sehr ausgefallene oder exklusive Sachen sucht, und wir wollen uns erst einmal nur orientieren, denn Kaufentscheidungen wollen wir erst treffen, wenn wir im Haus drin sind.
Außerdem eröffnen wir ein Bankkonto bei der First National Bank. Gemeinschaftskonten gibt es ja bekanntermaßen nicht. Da wir längerfristige Visa haben, kann Frank ein Konto als „resident“ eröffnen; das macht das Procedere insgesamt einfacher. Trotzdem dauert der gesamte Vorgang knapp eine Stunde, aber wir bekommen auch einen Komplettservice mit Einrichtung der BankingApp auf dem Handy etc..
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hat es tatsächlich oben auf den Bergen geschneit. Das kommt eher selten vor und zeigt, wie ungewöhnlich kalt der hiesige Winter ist. Wir kaufen erst einmal Heizdecken und eine zusätzliche Decke für unser neues Zuhause. Die werden wir in der nächsten Zeit definitiv noch brauchen.


Am Freitag gönnen wir uns dann einen Ausflugstag, fahren über den Sir Lowry’s Pass nach Hermanus. Tagsüber ist es warm, in der Sonne kann man problemlos im T-Shirt unterwegs sein und wir machen einen längeren Spaziergang entlang des Küstenweges. Zurück nehmen wir den Weg über die Küstenstraße. Ich fahre zum ersten Mal bei Linksverkehr, denn in all unseren Urlauben ist bislang Frank die ganze Zeit gefahren. Komisches Gefühl … für Fahrroutine braucht es noch ein wenig Übung.
Abends sind wir zum Essen bei Steffanie’s Place, direkt in unserer Nachbarschaft. Leider ist es zu kalt, um draußen zu essen. Der Blick über die Stadt bis zum Meer von der Terrasse ist einfach super. Eine perfekte Location, um im Sommer, wenn wir mal Besuch haben, einen schönen Abend zu verbringen.
Am 1. September ist es dann so weit … Wir fahren wieder in die Rue Almes, um endlich unser Haus zu übernehmen.
Direkt bei Ankunft knirscht es etwas im wahrsten Sinne des Wortes. In dem Moment, als wir durch das geöffnete Tor auf das Grundstück fahren, will Radboud das Tor wohl noch weiter öffnen, aber leider schließt er es … Es knirscht gewaltig und unser Mietwagen hat jetzt nach nur einer Woche ganz schicke Rallye-Streifen auf der Beifahrerseite. Wie gut, dass das alles komplett versichert ist.
Edelweiss ist bei dem Termin dabei, um ihre Aktivität als Maklerin formell abzuschließen. Wir gehen noch einmal durch’s Haus, sehen weitere TODOs für die nächsten Wochen. Noch ein paar Fotos mit Anneke und Radboud und dann verabschieden sich die beiden schließlich mit dem Wunsch für uns, dass wir hier genauso glückliche Jahre verbringen mögen, wie sie es getan hätten.


Wir tragen unsere Koffer ins Haus. Nun sind wir also eingezogen. Es ist zwar Sonntag, aber da die gängigen Geschäfte sieben Tage die Woche geöffnet haben, kaufen wir erst einmal ein, um den Kühlschrank zu füllen. Und das nahezu wichtigste Werkzeug fehlt und muss umgehend beschafft werden: ein Akkuschrauber … 😊
Am Spätnachmittag kommen Lizette & Louis spontan mit einem Sekt, Salat und dem Rest Zwiebelkuchen vorbei, den wir am Vortag für uns alle gebacken hatten. Wir stoßen an auf unsere künftige Nachbarschaft.

Anneke hatte das Gästebett bereits für uns frisch bezogen. Bettwäsche und Handtücher aus ihrem früheren Guesthouse in Constantia haben sie uns ja dagelassen. Wir schieben das Bett im ansonsten leeren Zimmer so vor das Fenster, dass wir beim morgendlichen Kaffee im Bett freien Blick auf das Bergpanorama haben werden, und schlafen ein - die erste Nacht in unserem neuen Zuhause - mit dem Gedanken, dass am nächsten Tag die ersten Handwerker anrücken werden.
Am nächsten Morgen wachen wir auf mit strahlendem Sonnenschein und können uns gar nicht satt sehen an dem Blick von einer der Terrassen aus. Überhaupt werden wir in den nächsten Tagen, wenn es mal wieder chaotisch im Haus zugehen wird, immer mal wieder irgendwo stehen oder sitzen, den Ausblick genießen und uns sagen, „Unter anderem dafür machen wir das alles …“.




Wir gehen jetzt noch einmal ganz aufmerksam durch alle Räume, um festzulegen, was genau die verschiedenen Handwerker in den nächsten Wochen machen sollen. Leider entdecken wir dabei auch so manchen kleinen Mangel, den wir vorher einfach nicht gesehen haben.
Der Backofen sah auf den ersten Blick prima aus, aber die Backbleche sind verrostet und innen bröselt teilweise die Keramikbeschichtung – keine Ahnung, wie man so etwas hinbekommt, aber da muss in jedem Fall ein neuer Ofen her.


Die Kaffeemaschine hat eine Ersatzkanne, die nicht genau unter den Filter passt und der Kaffee läuft teilweise daneben. Nun gut, sie ist quietschrot … die hätten wir sowieso ersetzt. Auch der Wasserkocher hat von innen Rost angesetzt ... Die Abzugshaube in der Küche sieht auf den ersten Blick noch einigermaßen aus, hat aber doch schon einige Gebrauchsspuren und sieht, wenn man genauer hinschaut, unappetitlich aus. Wir würden sie irgendwann ersetzen und entscheiden, dass dann lieber jetzt direkt zu machen, bevor der Maler ein zweites Mal anrücken muss. Beim Abmontieren stellen wir fest, dass der große Schlauch, der die Abluft nach draußen transportieren soll, ein Loch hat und unter der Abdeckung eine ziemliche Sauerei verursacht hat. Funktioniert hätte die also nicht mehr …
Der Abfluss in der Badewanne lässt sich nicht mehr schließen. Wenn wir es nicht schaffen, den von oben zu reparieren, muss man von unten an die Badewanne ran und die ist eingemauert und verkachelt. Gleiches bei einem der Waschbecken im Bad, aber die wollen wir ohnehin erneuern. In der kleinen Sutterain-Flat funktioniert die Toilettenspülung nicht mehr.
Die vielen praktischen Einbauschränke in den Schlafräumen und dem Arbeitszimmer, die wir vorher immer nur gefüllt gesehen haben, sind von innen ganz schön abgerockt. Da möchte ich eigentlich keine Wäscher reinlegen. Abschleifen und von innen neu streichen ist da vermutlich angesagt. Von den Gartengeräten (Besen, Rechen …) sind teilweise die Stile abgebrochen. Der Wischmob, den man in einem Haus, das komplett mit Fliesenboden ausgestattet ist, nun wirklich braucht, ist ein Spielzeug; damit kann man nicht ordentlich putzen. Im „scullery“ (wir würden Abstellkammer sagen) steht ein Sammelsurium von Putzmitteln, das ich später gemeinsam mit Soflina durchforste und den größten Teil davon schlicht entsorge. In den Küchenschränken stehen teilweise noch Lebensmittel, deren Ablaufdatum schon einige Jahre zurückliegt. Der Herd sieht bei genauem Hinsehen so aus, als wäre er schon länger nicht mehr richtig sauber gemacht worden; genauso einige Küchenschränke von innen. Das nehme ich selbst in die Hand, um für Soflina von Anfang an einen (neuen) Standard zu setzen 😉
Immer wieder rufen wir uns in Erinnerung, dass wir erstens ein älteres Haus gekauft haben und zweitens hier die letzten Jahre ältere Leute gewohnt haben, die einfach auch an verschiedenen Stellen überfordert waren. Das wussten wir bei unserer Kaufentscheidung. Bei einigen Dingen, deren Nicht-Funktionieren wir noch im Beisein von Anneke und Radboud bemerkt hatten, wurde dies von beiden mit dem Satz kommentiert, „We didn’t use that …“ Das wird für uns zu einem geflügelten Wort: Wenn wir etwas entdecken, das kaputt ist, schauen wir uns an und stellen grinsend fest: „They didn’t use it …“. Manches hat auch Parallelen zu unseren Elternhäusern, die wir nach deren jeweiligem Auszug ausgeräumt und entrümpelt haben.
Vieles ist aber auch richtig gut: Einen großen Gasherd mit fünf Flammen fanden wir immer schon toll, jetzt haben wir ihn. Zwei Wasseranschlüsse in der großen Küche, davon einer mir einem richtig großen Doppelspülbecken, machen auch einiges leichter. Die Kühl- und Gefrierkombination ist, nachdem sie mal gründlich gereinigt wurde, gut in Schuss. Spül- und Waschmaschine machen auch noch einen sehr guten Eindruck. Und es gibt neben der schicken roten Kaffeemaschine noch einen kleine Lavazza-Kaffeeautomaten. Des Weiteren haben wir noch einen zweiten Kühlschrank und einen TK-Schrank, die beide recht neu aussehen. Auch der Pool sieht sauber und gepflegt aus.
Und wieder und wieder der tolle Ausblick von allen möglichen Stellen mit den Bergen, die jeden Tag ein anderes neues Schauspiel bieten.
Um unseren Ausblick schon für die Zeit direkt nach dem Aufwachen zu optimieren, ziehen wir mit unserem Bett vom Gästezimmer in unser zukünftiges Schlafzimmer um. Von dort ist der Blick noch einmal viel beeindruckender. Den ersten Kaffee morgens trinken wir nun noch vor dem eigentlichen Frühstück im Bett mit Blick auf Berge und Meer. Da fängt der Tag einfach schon super gut an 😊


Unsere ersten Tage, und das wird jetzt vermutlich auch noch eine Zeit lang so bleiben, haben etwas von Indoor-Camping. Wir haben zwar das Gästebett, aber unsere Sachen lassen wir komplett in den Koffern, weil wir im Moment noch nicht wissen, wohin damit und die Handwerker ja in den kommenden Wochen noch eine Menge Dreck verursachen werden. In den nächsten Wochen werden wir regelmäßig mit unseren Sachen von einem Raum in den anderen ziehen, je nachdem, wo die Handwerker gerade so rumturnen werden. Wir kaufen zwar schon mal neues Geschirr und Besteck, lassen aber auch das erst mal eingepackt und nutzen das Sammelsurium von allem, das Anneke und Radboud uns dagelassen haben.
Montag bis Mittwoch kommen jetzt nach und nach die verschiedenen Handwerker vorbei, die wir angesprochen hatten, und wir entscheiden relativ zügig, mit wem wir hier zusammenarbeiten wollen.
Jens, the builder
Jens wird die vier Bögen im Haus herausbrechen bzw. vergrößern
und damit die Räume offener und geradliniger gestalten.
Außerdem macht er alle Verputzarbeiten, nachdem die Elektriker
Leitungen neu verlegt haben. Jens kommt aus Namibia, lebt und
arbeitet aber schon seit Jahrzehnten in der Kapregion. Seine
Muttersprache ist Deutsch, was unsere Kommunikation dann doch
erheblich erleichtert, und wir werden von ihm im Laufe der Zeit
auch eine Menge Informationen und Hinweise bekommen was man wie
machen kann. Jens packt selbst mit an und schein ziemlich nah
an seinen Leuten dran zu sein. Zwischendurch repariert er auch
mal rasch die Terrassentür oder zeigt Frank wie man hier die
Steckdosen aus der Wand bekommt, ohne sie zu zerbrechen.
Häufig, wenn irgendwelche Kleinigkeiten auftauchen, sagt er
sofort „Ich kann das für euch machen.“ Steht natürlich alles
nicht im Angebot und wir sind gespannt auf die finale Rechnung
und freuen uns später, dass alle "Extras" nicht berechnet
wurden und sogar noch ein "Discount" gewährt wurde.
Graham, the painter
Graham wirkt auf uns
„very british“ und ist eher der Manager-Typ. Er erklärt uns,
wie wichtig die gute Vorbereitung der Wände und der Decken sei,
damit nach dem Streichen alles möglichst makellos aussieht.
Tapezieren ist hier eher unüblich. Die Wände werden, nachdem
alle Macken und Löcher ausgebessert worden sind, von Hand
geschliffen und dann mit eine (abwaschbaren) Farbe gestrichen.
In Deutschland wären wir vermutlich nicht bereit, das zu
bezahlen. Hier ist es gut machbar …
Piet, the ceiling specialist
Piet ist ein
echt netter Kerl und schon über 70. Er erzählt gerne und viel
und im Laufe der Zeit erfahren wir auch ganz viel Privates von
ihm. Unter anderem, dass seine Frau wohl viele Jahre für ein
Catering-Unternehmen gearbeitet hat … Wir verabreden, wenn alle
Arbeit getan ist, mal zu viert einen Wein zu trinken.
Piet’s Job wird es sein die Stuckelemente (Corniches), die in
allen Räumen zwischen Wand und Decke sind, komplett zu
ersetzen. Die bestehenden Stuckelemente sind teilweise kaputt
und die schnörkeligen Ornamente sind nicht unser Geschmack. Wir
suchen Formen aus, die uns gefallen, mit dem Ergebnis, dass
Piet am nächsten Tag unangemeldet vor der Tür steht, weil er
der Meinung ist, dass wir da einen Fehler machen. Kurzerhand
fahren wir mit ihm zu einem Haus (seinem Haus), in dem er
gerade an der Decke arbeitet. Was er uns dort zeigt, sieht
schick aus, passt aber eher nicht zu unserem Haus. Piet
versteht aber gut, was uns wichtig ist und am Ende werden wir
uns für Corniches entscheiden, die er ausgesucht hat, ohne noch
mal weiter nach Alternativen zu suchen.
Piet besorgt uns auch mal eben zwei „Jungs“, die einen riesen
Berg Grünabfall für uns entsorgen, nachdem wir kräftig eine
riesige Hecke zurückgeschnitten haben.
Markus, the electrician
Peter erscheint,
um einmal aufzunehmen, was im Haus alles gemacht werden soll.
Danach telefonieren wir nur noch mit ihm und die Arbeiten im
Haus koordinieren sein Mitarbeiter Marius bzw. seine
Vorarbeiter, die aber allesamt einen guten Job machen. Alle
Leitungen sollen unter Putz gelegt werden, in einigen Räumen
möchten wir mehr Steckdosen haben. Decken- und Badbeleuchtung
sollen ergänzt und der alte lärmende Ventilator im Gästebad
soll ausgetauscht werden.
Charles, the allrounder
Den Kontakt zu
Charles bekommen wir über Louis. Er hat das zweite Angebot für
die Maurerarbeiten abgegeben, aber wir haben uns dann für das
Team Jens, Graham und Piet entschieden. Aber Charles könnte
später Sanierungsarbeiten an den Fugen der Badfliesen vornehmen
und gegebenenfalls auch die ganzen Schiebetüren wieder gängig
machen. Er würde auch den Dachboden neu isolieren – die Folie
dort hängt überall in Fetzen -, aber das haben wir noch nicht
entschieden. Eigentlich isoliert man Dächer hier nicht so wie
bei uns. Nur durchregnen soll es halt nicht.
Parallel klappern wir weiter verschiedene Geschäfte und Baumärkte ab, kaufen einen neuen Backofen, eine neue Mikrowelle und überlegen, was wir für eine Dunstabzugshaube haben wollen. Wir besorgen uns meterweise feste Folien, mit denen wir den Fliesenboden vor den eher groben Maurerarbeiten schützen wollen, und große verschließbare Plastikboxen, in denen wir in den nächsten Wochen wichtige Sachen staubfrei verstauen können.
Den Freitag nutze ich, um gemeinsam mit Galu die Hecken an der Einfahrt kräftig zu stutzen. Wir beginnen vorsichtig mit kleineren Schritten und Galu fragt mich gefühlt bei jedem Ast, ob er den abschneiden soll oder nicht. Ich frage häufig zurück, was er denn machen würde, und am Ende schlägt er von sich aus aktiv vor, dass an dieser oder jener Stelle auch noch was wegmüsse. Das macht richtig Spaß. Schließlich haben wir auf einer Länge von ca. 10 Metern mindestens 1 bis 1,5 Meter in der Breite dazugewonnen. Und einen gewaltigen Berg an Grünabfall produziert. Ich habe in dem Moment noch keinen Plan, wie wir den ganzen Grünabfall loswerden können, aber das Thema wird ja später Piet für uns lösen …


Wir beide sind jedenfalls erst einmal sehr zufrieden mit unserem Werk. Ich, weil es die Einfahrt deutlich weiter und offener macht, und Galu, weil er das immer schon machen wollte, aber Radboud alles einfach über Jahre nur wachsen lassen wollte.
Am Samstagmorgen (oder sollte ich besser „in der Nacht von Freitag auf Samstag“ sagen? – 6:00 Uhr!!!) schließt Frank sich den „Helderberg Harriers“ an, einer recht ambitionierten Laufgruppe, die sich immer Samstagfrüh trifft. Das Wochenende gehört hier definitiv der Familie und den Freunden, weshalb der Sport in den frühen Morgenstunden absolviert wird. Frank hat seit rund acht Wochen nicht mehr trainiert, und erfährt als er ankommt, dass es heute auf eine 22-km-Laufstrecke geht. Ohje … Aber erstaunlicherweise geht es gut und Frank freut sich, dass er klar zu den schnelleren Läufern der gesamten Gruppe gehört. Außerdem ist das schon mal ein guter Testlauf, denn für nächsten Samstag hat er sich schon vor geraumer Zeit für den „Chapman’s Peak Half Marathon 2024“ angemeldet.

Sonntagabend verhängen wir die Küche, damit wir diese zumindest noch ein, zwei Tagen nutzen können, obwohl direkt dahinter Wände eingerissen werden. Christo wäre stolz auf uns 😉
Die wenigen Möbel, die wir übernommen haben, tragen wir auf die überdachte Terrasse. In der Flat im Sutterain lagern wir unsere wichtigen Sachen und richten uns dort eine provisorische Küche ein. Nur das Bett bleibt im Haus. Das werden wir morgen nach dem Aufstehen einigermaßen staubsicher verpacken.
So sieht es am Sonntag dann aus, bevor die Handwerker anrücken:
Und so sieht es dann im Laufe der kommenden Woche aus ...
Und wir hoffen sehr, dass die Elektriker im Hause nicht so verkabeln werden ... 😉😊

Am Montagmorgen geht es dann also los. Binnen einer Stunde füllt sich das Haus mit Mitarbeitern von Jens, die beginnen Mauerteile rauszuschlagen. Die Mitarbeiter von Markus flexen die Wände auf, um Leitungen unter Putz zu legen. Zwischendurch kommt Piet vorbei, um mit uns mögliche Corniches auszuprobieren, und als irgendwann auch noch Graham in der Tür steht, um das weitere Vorgehen abzustimmen, wird mir das alles viel zu viel. Soll das jetzt ein, zwei Wochen so weitergehen? Was tun wir hier eigentlich? Wir wollten doch in unserem Leben niemals ein Haus bauen … Aber was das hier angeht, kommt es dem nie gewollten Vorhaben schon recht nahe. Frank gerät zwar auch zwischendurch in Hektik, bleibt insgesamt aber deutlich entspannter als ich.
Lizette & Louis scheinen meinen Gemütszustand zu ahnen und bieten uns noch einmal an, die nächsten Tage wieder bei ihnen zu wohnen. Ich nehme sehr dankbar an … Auch ich will die beiden nicht überstrapazieren, aber wir würden das ja genauso tun.
Tagsüber sind wir nun auf unserer Baustelle, denn es gibt immer wieder etwas abzustimmen und zu klären, und wir wollen auch sicherstellen, dass nicht plötzlich irgendetwas gemacht wird, das so gar nicht geplant war. Gleichzeitig versuchen wir aber auch, den Handwerkern nicht ständig auf den Füßen rumzustehen. Wir haben uns für diese Mannschaft ja entschieden, weil wir insgesamt ein gutes Gefühl mit diesen Leuten hatten.
Das Wetter ist überwiegend schön. Zwar kalt im Schatten, aber in der Sonne kann man es gut draußen aushalten. Wir halten uns also überwiegend im Garten auf und richten uns dort ein Outdoorbüro mit Blick auf die Berge ein. Eigentlich gar nicht so schlecht.
In der zweiten Wochenhälfte gibt es dann doch noch eine blöde Überraschung. Im Übergang vom Wohn- in den Essbereich hängt die Decke etwas durch. Da die Zimmerdecken hier nur aus ca. 1 cm dicken Rigips-Platten bestehen, die unter die Dachbalken genagelt oder geschraubt werden, kann es schon mal passieren, dass diese sich über die Jahre an einigen Stellen etwas lösen. Das kann man eigentlich im Rahmen einer solchen Renovierung leicht wieder anheben und neu befestigen. Jens hat aber – warum auch immer – ein komisches Gefühl und will sich das mal auf dem Dachboden etwas genauer ansehen. Er hat dann leider nicht so gute Nachrichten. Es haben sich nicht nur die Rigips-Platten etwas gelöst, sondern tragenden Dachbalken haben sich unter der Last des Daches einige Zentimeter nach unten verbogen und einer ist sogar bereits angebrochen. Das können auch wir als Laien gut erkennen. So ein Mist! Mir wird ganz schlecht bei dem Gedanken, dass uns irgendwann mal Teile des Daches zusammenkrachen könnten. Das muss sich jetzt mal ein Statiker ansehen und dann brauchen wir einen Dachdecker, der das Malheur hoffentlich mit vertretbarem Aufwand vernünftig und nachhaltig reparieren kann. Hoffentlich muss nicht an den relevanten Stellen der komplette Dachstuhl neu aufgebaut werden …
Vielleicht kann man die Dach-Sorgen ja mit einem Feierabendbier in Strand etwas mildern, auch wenn es für draußen sitzen leider viel zu ungemütlich und kalt ist ...


Weil die Arbeiten, die den meisten Dreck verursachen, bis Ende der Woche abgeschlossen sind, ziehen wir am Samstagmorgen in unser Haus zurück. Das Bett bei Lizette & Louis lassen wir aber sicherheitshalber noch bezogen … 😉
Am Samstagnachmittag schauen die beiden bei uns vorbei und zerstreuen zum Glück einen Großteil unserer Sorgen um den Dachstuhl. Louis glaubt, dass man die verbogenen Balken mit neuen zusätzlichen Balken stabilisieren und verstärken kann und das dann wieder bombenfest und sicher sei.
Überhaupt … die beiden schauen regelmäßig bei uns vorbei, haben immer wieder gute Tipps und Vorschläge und vor allen Dingen machen sie uns immer wieder Mut, indem sie die Baufortschritte bewundern und uns in unseren Entscheidungen bestätigen. Total lieb …

Für den nächsten Tag verabreden wir uns zu einem gemeinsamen Ausflug, damit wir mal aus unserer Baustelle rauskommen.
Die Arbeiten gehen weiter. Jens ist bis Dienstag mit seinen Maurerarbeiten durch. Parallel starten die Leute von Piet damit, die neuen Corniches anzubringen. Und – mal wieder abseits des eigentlichen Auftrags – macht dieses Mal Piet sich daran, die schleifende Haustür zu reparieren. Dabei schreckt ein kleines Haustier auf: eine Rain Spider, Durchmesser rund 12 cm, ungiftig … 😉

Ab Mittwoch ist dann Graham da und beginnt mit den Vorbereitungsarbeiten für die Wand- und Deckenanstriche. Die Ausbesserung kleiner Risse in den Wänden hat fast etwas von Moderner Kunst …
Die Demontage von zwei Regalbrettern stellt ihn dann allerdings vor etwas größere Herausforderungen: die sind nicht nur an der Wand verleimt, sondern auch mit ca. 30 cm langen Stahlstiften in der Wand verankert. Unglaublich …

Nur im Wohn-Essbereich stellen wir Teile der Arbeiten erst einmal zurück. Bevor wir nicht genau wissen, wie es mit unserem Dachstuhl-Thema weitergeht, macht es keinen Sinn hier schon Corniches anzubringen oder die Decke für Malerarbeiten vorzubereiten.
Unsere Tage haben einen festen Rhythmus gefunden:
Zwischen 6:00 und 6:30 Uhr aufstehen – aber nie ohne unseren Morgenkaffee … Dann packen wir alles, was wir für den Abend und die Nacht gebraucht haben, zurück in unsere Koffer und Plastikboxen und tragen diese auf die Terrasse. Frühstück klappt meistens noch bevor die ersten Handwerker aufschlagen, aber auch nicht immer. Da wird der 2. Kaffee dann auch schon mal kalt.
Den Tag verbringen wir zwischen Handwerkerabsprache, kleineren Einkäufen, die einer von uns erledigt und Phasen an unserem selbst gezimmerten Schreibtisch – je nach Wetter mal drinnen, mal draußen. Dort entstehen auch erste Version unserer Website und diese Schilderungen unserer ersten Wochen. Für eine Konferenz, die Frank am Dienstag moderieren muss, mietet er sich für drei Stunden in einem hiesigen Workspace ein. Das funktioniert gut. Gegen 16:30/17:00 Uhr sind dann auch die letzten Handwerker aus dem Haus. An einigen Tagen versuchen wir noch auf die Schnelle irgendwelche gemeinsamen Erledigungen, aber viel schaffen wir da nicht mehr, weil die Fachgeschäfte schon früh schließen. Danach staubsaugen und wischen der Räume, damit wir den Abend einigermaßen sauber verbringen können. Wir können uns definitiv nicht beklagen, dass nicht jeden Nachmittag von allen gut aufgeräumt und sauber gemacht würde, aber einigermaßen staubfrei ist es damit noch nicht.
Dann ziehen wir von der Terrasse wieder ein mit unseren Koffern und Boxen, machen uns etwas zu essen und fallen irgendwann zwischen 22:00 und 23:00 Uhr todmüde ins Bett.
Ach ja, und eine schöne Abendroutine haben wir von Lizette & Louis mit in unser Haus gebracht. Wir beschließen den Abend mit einer schönen Tasse Tee. Ja, man stelle es sich nur vor: selbst Frank, der doch immer behauptet, Tee trinke er nur wenn er krank sei, scheint diese kleine Tee-Zeremonie gut zu gefallen – zumindest, solange es hier abends so kalt ist.
Am Donnerstag kommt schließlich nach Rücksprache mit dem Hausinspektor, der seinerzeit dieses Haus begutachtet hat, und einem hinzugezogenen Statiker ein Dachdecker, der die in Mitleidenschaft gezogenen Dachbalken stabilisieren bzw. reparieren wird. Es sieht jetzt zum Glück tatsächlich nach einem nicht ganz so großen Aufwand aus. Am Freitag haben wir das Angebot: 500 Euro … Uff, das ist ja zum Glück wirklich sehr überschaubar. Der Dachdecker hat im Moment eine Reihe von Aufträgen mit Außenarbeiten. Er stellt uns in Aussicht, dass er in der kommenden Woche am Mittwoch kommen wird, weil da das Wetter wieder schlechter werden soll – gut für Innenarbeiten wie bei uns. In diesem speziellen Fall hoffen wir dann jetzt mal auf schlechtes Wetter in der nächsten Woche.
Bis zum Freitag sind bis auf den Wohn-Essbereich alle neuen Corniches angebracht. Die Maler kommen gut voran und machen auch nicht mehr ganz so viel Staub und Dreck. So langsam lässt sich erahnen, wie es hier bald aussehen wird. Schön bestimmt … 😊
Freitagabend machen wir uns spontan noch auf die Suche nach einem schönen Plätzchen für einen Sonnenuntergang, fahren bis nach Gordon’s Bay und landen schließlich noch bei einem offensichtlich ziemlich angesagten Fish-and-Chips-Imbiss.





Frank hat sich für den Chapman’s Peak Halfmarathon in Hout Bay am Sonntag angemeldet. Start ist früh morgens um 6:30 Uhr und von uns aus fährt man eine Stunde dorthin. Also haben wir Für die Nacht von Samstag auf Sonntag über airbnb ein kleines Appartement in Hout Bay gebucht. Auf dem Weg dorthin fahren wir durch Kapstadt und der Tafelberg präsentiert sich an diesem schönen Frühlingstag ohne ein einziges Wölkchen.


Wir sind auf der Suche nach einem schönen Bett, denn das Gästebett, das wir übernommen haben und in dem wir zurzeit schlafen, soll auch zukünftig das Gästebett bleiben. Es ist gar nicht so einfach, ein Bett zu finden, dass man mitten in den Raum stellen kann, aber nur so können wir auch zukünftig schon vor dem Aufstehen die Aussicht genießen. Betten bestehen hier üblicherweise aus einem Untergestell, auf das eine Matratze gelegt wird. Das Untergestell hat in der Regel keinen Lattenrost wie bei uns, sondern nur Bretter; dafür sind die Matratzen deutlich dicker. Die bei uns üblichen Bettrahmen gibt es auch, sie sind aber nicht so gängig und fast immer so gearbeitet, dass man sie mit dem Kopfende gegen eine Wand stellen muss. In Somerset West haben wir bislang nur in einem Geschäft ein Bett gefunden, das uns gefällt, aber das ist im Vergleich so teuer, dass wir jetzt noch einmal das hoffentlich doch etwas größere Angebot in Kapstadt testen wollen. Wir fahren bis zum Nachmittag mehrere Bettengeschäfte an, aber wir werden nicht fündig. Parallel hatten wir bereits Kontakt zu einem kleinen Betrieb aufgenommen, der Betten individuell baut. Es sieht also danach aus, dass wir uns das Bett, das uns gut gefiel, einfach nachbauen lassen … für weniger als den halben Preis …
Am späten Nachmittag kommen wir in Hout Bay an und sind positiv überrascht, wie groß das Appartement ist, das wir gemietet haben. Der Vermieter gibt uns ein paar Restaurant-Tipps, verbunden mit dem Hinweis, dass wir die Restaurants am Hafen nur mit dem Auto, aber keinesfalls zu Fuß ansteuern sollten. Wie entscheiden uns für eine unkompliziertere Variante direkt um die Ecke von unserer Unterkunft und essen Nudeln – so wie sich das vor einem Halbmarathon gehört … besonders für mich … 😉😊
Obwohl Frank seit acht Wochen nur sehr wenig gelaufen ist, obwohl die Laufstrecke einige Steigungen hat und obwohl Frank insgesamt dazu beiträgt, den Altersschnitt der Teilnehmer anzuheben, klappt alles prima. Platz 260 von insgesamt 1.448 Läufern und Läuferinnen mit einer Zeit von 1:54:14 – Frank ist gut zufrieden.





Danach schauen wir uns noch einen großen Kunsthandwerkermarkt im Hafen und ein paar Galerien in Hout Bay an, ohne etwas zu finden, was unser Haus verschönern könnte, fahren schließlich über das Weingut Beau Constantia, Muizenberg und dann an der Küste entlang zurück nach Somerset West.












Wieder zurück in Somerset West schauen wir kurz auf einen Kaffee bei Lizette & Louis vorbei und entscheiden dann ganz spontan nicht direkt nach Hause zu fahren, sondern nach Stellenbosch, um uns dort das Fitness-Center der dortigen Universität anzusehen. Frank sucht eine Möglichkeit, im dortigen 50-Meter-Becken regelmäßig zu schwimmen und ich bin immer noch auf der Suche nach einem vernünftigen Fitness-Center für mich. Wie hatten uns ein eigentlich gutes in Somerset West bereits von einiger Zeit angesehen, aber mir war es dort zu laut, die Klimaanlage zu kalt und die Geräte waren auch nicht die richtigen. Dafür war es relativ teuer, deutlich teurer als meins in Greven. Das in Stellenbosch scheint perfekt. Das große Schwimmbad (draußen) für Frank, das ich aber sicherlich auch mal dann und wann nutzen werde, Geräuschpegel passt, Temperatur passt und die Geräte sind genau die, die ich auch in Greven regelmäßig nutze. Außerdem kann ich noch an diversen Kursen teilnehmen, wenn ich Lust habe und das alles zu einem Preis, der weniger als ein Drittel von dem beträgt, was man in Somerset West haben wollte.
Einziger Nachteil ist, dass es bis Stellenbosch etwas mehr Fahrerei ist: 20 Minuten (außerhalb der Rushhour) anstatt 10 Minuten in Somerset West, aber wenn wir dort - anders als in Deutschland - meistens zusammen hinfahren werden, macht das auch nichts. Wir schließen beide einen 6-Monats-Vertrag ab.
Schön war’s, der Baustelle mal für zwei Tage zu entfliehen. Morgen geht’s munter weiter …
Auch in Südafrika gibt es eine Mülltrennung: Restmüll und Recycling-Müll (Plastik, Glas, Papier …). Genau wie auch in vielen europäischen Ländern gibt es hier kein Pfandsystem für Flaschen und Getränkedosen. Unser wöchentliches Aufkommen an Recycling-Müll ist schon beeindruckend für zwei Personen, was aber sicherlich auch daran liegt, dass wir im Moment eine Menge Dinge neu kaufen mit dem entsprechenden Verpackungsmaterial. Außerdem basiert unsere Ernährung derzeit viel auf Convenience-Produkten, da wir weder Zeit noch Lust zum Kochen haben.
Es gibt aber auch noch eine andere Form von Recycling, mit der wir noch nicht so wirklich gut umgehen können. In Deutschland versuchen wir schon seit Jahren, Dinge, die wir aussortieren, obwohl sie noch brauchbar sind, an Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser abzugeben. Voraussetzung ist dort immer, dass die Sachen sauber und noch wirklich in Ordnung sind. Alles andere geht in den Müll.
Hier im Haus hingen in den Räumen schwere Gardinen und Vorhänge, die wir allesamt abgenommen haben, weil sie überhaupt nicht unser Geschmack sind und die Räume eher dunkel gemacht haben. Einige sind noch ganz gut in Schuss, die legen wir zur Seite, um die Stoffe vielleicht später noch anders zu verwenden. Andere sind uralt, teilweise verschossen und verfärbt und sehen wirklich nicht mehr schön aus. Die verwenden wir, um bei den Abrissarbeiten den Fliesenboden zusätzlich vor herunterfallenden Mauerstücken zu schützen. Als Jens das sieht, fragt er, ob wir die Gardinen wirklich dafür verwenden wollen. Ich sage ihm, dass es die alten sind, die man nicht mehr verwenden kann. Seine Antwort darauf: „Na ja, was für euch vielleicht nicht mehr schön ist, ist für andere hier sehr wohl noch schön und zu verwenden.“ Das lässt mich etwas zusammenzucken und macht mich schon nachdenklich. Und tatsächlich fragt mich Soflina später, ob sie die nun nicht nur alten, sondern jetzt auch vom Bauschutt völlig verdreckten Gardinen haben kann. Sie wolle sie waschen und dann weiter nutzen. Und selbst die dicken schwarzen Plastikfolien, die wir für den Schutz von Möbeln und Boden besorgt und verwendet haben, möchte Soflina mitnehmen. Die könne mach sauber machen und auf den Boden legen.
Wir wissen, das Soflina in Khayelitsha wohnt und dort angeblich ein „großes Haus“ hat, aber wir haben keine Vorstellung davon, was das eigentlich bedeutet. Wie groß ist so ein Haus wirklich? Und wie ist es ausgestattet? Und was denkt Soflina eigentlich, wenn sie sieht, dass wir zur zweit in diesem Haus leben werden und alle möglichen Dinge neu machen, nur weil wir sie nicht mehr schön finden? Wir fühlen uns irgendwie ziemlich dumm und ahnungslos, trauen uns aber auch nicht, zu fragen.
Donnerstags kommt die Müllabfuhr. Morgens stellen wir die Restmülltonne und die Tüten mit dem Recycling-Müll vor die Tür. Der Müll wir regelmäßig durchsucht, ob sich darin noch irgendetwas brauchbares findet. Man geht dabei in der Regel sorgsam vor, ohne eine große Sauerei zu veranstalten und ohne irgendjemanden zu belästigen. So wird es von den Anwohnern toleriert. Auch das verursacht bei uns ein komisches Gefühl.
Uns ist sehr bewusst, dass wir in einer sehr privilegierten Wohngegend leben. Wir haben bei der Haussuche in Somerset West auch darauf geachtet, dass wir weit genug vom Township Khayelitsha entfernt sind. Natürlich leben dort tausende von zwar armen, aber anständigen Menschen, aber es gibt dort eben auch eine Menge Kriminalität und Gewalt. Unsere Wohngegend ist eine komplett andere Welt. Schöne Häuser, große Grundstücke, alles wirkt sauber und gepflegt. An den Townships fahren wir maximal auf der Autobahn oder einer Hauptstraße vorbei, aber wir fahren niemals hinein.
Auf dem Rückweg von Hout Bay am Sonntag sind wir entlang der Küste von Muizenberg nach Somerset West gefahren, links die Townships Mitchell’s Plain und Khayelitsha, rechts die Dünen und das Meer. Wir waren unsicher, ob wir da überhaupt langfahren sollten, aber es waren so viele Autos auf der Straße unterwegs, dass wir nicht ganz so große Sorgen hatten. Nachts allerdings würden wir dort nicht herfahren …
Der Unterschied zwischen arm und reich ist hier einfach noch viel größer als in Deutschland und wir haben das riesige Glück – egal ob hier oder in Deutschland – auf der privilegierteren Seite zu stehen. Das dürfen wir nie vergessen und wir dürfen nie aufhören, das zu schätzen und dankbar dafür zu sein. In Deutschland hören wir bei Diskussionen über solche Themen ganz oft die Sätze „Ich habe mir das ja verdient. Ich arbeite dafür hart und liege nicht auf der faulen Haut.“ Ja, stimmt. Aber in eine Welt hineingeboren zu sein, in der Schul- und Universitätsbildung nahezu kostenlos verfügbar sind, und dann vielleicht noch ein Elternhaus zu haben, das Bildung und Leistungsbereitschaft fördert, das ist erst einmal nur Glück. Wir hatten es …
Klar ist, wir müssen noch ganz viel lernen über dieses Land und seine Menschen und wir werden wohl noch eine Weile brauchen, um unsere Gefühle und Gedanken rund um all diese Themen zu sortieren und zu verstehen.
Seit zwei Wochen leben wir jetzt mit den Handwerkern im Haus. Zwei Wochen liegen noch vor uns. Das Leben aus dem Koffer fängt langsam an zu nerven. Wir wissen gar nicht mehr genau, was wir eigentlich alles eingepackt und mitgenommen habe, weil wir immer wieder die gleichen Sachen anziehen und wieder waschen, die oben im Koffer liegen. Es macht einfach noch keinen Sinn, die Koffer auszupacken, weil die Wandschränke nicht schön sind und dreckig wirken. Die müssen wir erst wieder aufhübschen. Und zwischendurch staubt es auch immer noch, wenn die Maler die Wände fein abschleifen, auch wenn das nur von Hand passiert.
Auf der anderen Seite bekommen wir täglich eine bessere Vorstellung, wie es am Ende wohl aussehen könnte. Wir sind sehr sicher, dass uns die optisch vergrößerten Räume mit den helleren Wänden gut gefallen werden.
Am Mittwoch von Renovierungswoche drei kommt dann der Dachdecker, um die angeknacksten Dachbalken wie geplant zu verstärken. Die krummen Balken werden angehoben, so dass sie wieder gerader sind und dann mit jeweils zusätzlichen Balken so verstärkt und verschraubt, dass sie die Last des Daches weiterhin sicher tragen können. Wir waren davon ausgegangen, dass einige Dachpfannen abgenommen werden müssen, um die Balken durch das partiell abgedeckte Dach auf den Dachboden zu bringen, aber es gelingt, alle Balken von innen durch die Dachluke nach oben zu transportieren. Innerhalb eines Tages sind alle Balken verstärkt und wir müssen uns keine Gedanken mehr machen, dass hier irgendwann ein größeres Problem vom Dach ausgehen könnte. In dem betroffenen Bereich werden die krummen Decken wieder etwas gerader, aber 100%ig gelingt das nicht. Es ist und bleibt halt ein älteres Haus.
Während die Maler die Wände und Decken für den finalen Anstrich vorbereiten, müssen wir jetzt so langsam mal eine Entscheidung für die Farben treffen. Decken und Stuckelemente sollen weiß sein, das war von Anfang an klar. Die Wände möchten wir in jedem Fall spürbar heller haben, als das bislang der Fall war. Die Farbe muss zu den braunen Fenstern und den sandfarbenen Fliesen passen. Das grenzt die Farbauswahl schon mal ein. Trotzdem bleibt die Anzahl der möglichen hellen Farbnuancen noch riesig.

Wir treffen eine Vorauswahl, bringen verschiedene Farben quadratmetergroß an die Wände, aber den wirklich überzeugenden Farbton finden wir noch nicht. Graham will uns noch einmal eine alternative Farbe besorgen, die er kürzlich für einen Kunden verarbeitet hat. Als ich vom Einkaufen zurückkomme, präsentiert mir Frank vier Farbbeispiele in einem Raum und fragt mich, welchen Ton ich denn am schönsten finde. Schnell habe ich für mich eine Reihenfolge gefunden. Frank grinst und wir nehmen dann alle vier Farbtöne … Es ist nämlich immer die gleiche Farbe, ein helles Beige mit einer Nuance zu Apricot. Unterschiede kommen nur durch unterschiedlichen Lichteinfall und Umgebung der Farbflächen zustande. Als die ersten Räume mit dieser Farbe gestrichen ist, sind wir zum Glück sehr zufrieden mit unserer Auswahl.
Die Malerarbeiten geraten zum Ende der Woche etwas ins Stocken, weil noch nicht in allen Räumen die Stuckelemente angebracht worden sind. Und jetzt gibt es angeblich ein Lieferproblem. Nach mehreren Telefonaten und Vertröstungen fährt Frank schließlich etwas genervt direkt zu dem Lieferanten hin und siehe da … er kann die noch fehlenden Corniches gleich mitnehmen. Ein bisschen haben wir den Verdacht, dass Piet, der für die Montage der Corniches zuständig ist, uns etwas hinhalten wollte, weil er noch einen anderen Auftrag zu erledigen hat. Frank macht etwas Druck und dann werden die noch fehlenden Corniches am Sonntag (!) montiert, allerdings mit spürbar wenig Motivation, ohne dass Piet mal vorbeischaut und daher leider auch mit Fehlern und Schlamperei. Die wollten nur schnell fertig werden. Konsequenz: an zwei Stellen müssen die Corniches wieder runter; an einer Stelle muss die Rigips-Decke erst noch angehoben werden. Also muss am Montag noch mal nachgearbeitet werden. ☹
Graham, der Maler, ersetzt im Laufe der Woche eine gesprungene Fensterscheibe, bringt die sehr schwergänigen Schiebetüren im Schlafzimmer wieder in Schuss und besorgt uns jemanden, der den Spiegel im Badezimmer ersetzen und die unansehnlich gewordene Duschabtrennung wieder auf Vordermann bringen wird. Irgendwie sind die alle auch Allrounder.
Mit unseren Möbeleinkäufen kommen wir nur langsam voran. Tagsüber können wir nicht zusammen weg, weil immer irgendwelche Handwerker im Haus sind. Wenn die dann so gegen 16:00/16:30 Uhr das Haus verlassen, haben wir keine Zeit mehr, uns in Ruhe in den Möbelgeschäften umzusehen, weil die spätestens um 18:00 Uhr schließen. Bezüglich unseres Bettes hatten wir uns ja bereits für eine Individualanfertigung entschieden. Da sind jetzt nur noch Details zu klären, unter anderem, wie dick denn unsere Matratze sein wird.
Außerdem beauftragen wir das gleiche Unternehmen, die uralten Ohrensessel sowie ein kleines Sofa, dass wir von Radboud und Anneke eigentlich nur für den Übergang übernommen hatten, neu aufzupolstern. Uns schwebt vor, dafür einen ganz bunten oder irgendwie schrillen Stoff auszuwählen und damit diesen Schätzchen ein komplett neues Outfit zu verpassen.
Spätestens in der ersten Oktoberwoche müssen wir den finalen Auftrag erteilen, denn sonst wird das nichts mehr mit dem neuen Bett noch vor Weihnachten. Die Lieferzeit beträgt rund 8 Wochen nach Auftragserteilung und ab Mitte Dezember kommt hier für rund einen Monat in den Bereichen Bau und Industrie mehr oder weniger alles zum Erliegen: Builder’s Holiday. Für das Bett und die Aufpolsterung bekommen wir das vorher hoffentlich noch hin. Mal schauen, was das für unsere sonstigen Möbelanschaffungen bedeutet.
Die Matratze jedenfalls bekommen wir sehr schnell, nachdem wir uns davon verabschiedet haben, ein 2x2-Meter-Bett (Super-King) haben zu wollen. Das Maß ist nämlich nicht sehr gängig, die Matratze müsste für uns erst produziert werden und wäre auch unverhältnismäßig viel teurer. Also wird es ein King-XL-Bett (1,83 x 2,00 Meter). Die ansonsten noch gängigen Maße scheiden aufgrund der Länge von nur 1,88 m definitiv aus.
Am Mittwoch entscheiden wir uns kurz vor Ladenschluss für ein Sofa, Lieferzeit 2 Wochen. Samstag finden wir einen schönen Schreibtisch für Frank (Laden für gebrauchte Büromöbel), einen kleinen Schreibtisch für mich (ebenfalls gebraucht, muss nur abgeschliffen und neu lackiert werden) und einen Esstisch mit sechs Stühlen, die im Lager vorhanden und somit schnell verfügbar sind.
Damit haben wir die wichtigsten Möbel schon mal zusammen. Der Rest wird sich so nach und nach finden.
Am Donnerstag mache ich meinen ersten Gartencenter-Ausflug 😉 Einer unserer Nachbarn hat einen ziemlich chaotischen und unaufgeräumten Garten, in den wir zwangsläufig hinunterschauen, wenn wir am südlichen Rand des Grundstücks stehen. Diesen nicht ganz so schönen Anblick werden wir jetzt einfach mit einer Hecke (eine Art Kirschlorbeer) zupflanzen. Und ich eröffne die Gemüsegarten-Saison mit Salat und Kräutern, die ich in verschiedene vorhandene Töpfe pflanze. Die Anlage eines Gemüsebeetes hebe ich mir für nächstes Jahr auf. Die ersten hungrigen Schädlinge, die sich über die Wurzeln einiger Kübelpflanzen hermachen, finde ich auch ... Der "Cut Worm", die Made/Raupe einer Mottenart, macht hier wohl nicht nur Hobby-Gärtnern sondern insbesondere auch der Landwirtschaft das Leben schwer.


Am Freitag dann wieder eine kleine abendliche Auszeit mit Lizette & Louis im Lourensford Wine Estate. Es ist zwar recht kühl, aber mit Weste und Jacke geht es auf ein Bier und ein frühes Abendesssen bei Live-Musik.
Der Wetterbericht für die nächsten Tage ist recht gruselig (kalt und viel Regen) und weil wir einfach keine Lust mehr auf die Friererei haben, kaufen wir am nächsten Tag einen gasbetriebenen Heizofen. Wie schön, jetzt haben wir wenigstens einen Raum, in dem wir nicht frieren. Mit den noch etwas bescheidenen Mitteln versuchen wir, es uns zum Essen zumindest etwas nett zu machen.


Zum Glück verspricht der Wetterbericht ab Mitte kommender Woche wieder sommerliche bis hochsommerliche Temperaturen und Sonne satt. Sieht so aus, als würden die durchziehenden Kaltfronten nun so langsam weniger.
Alles in allem also eigentlich eine recht erfolgreiche Woche. Nur das mit dem Fitness-Studio haben wir leider wieder nicht geschafft und zwischendurch sind wir mittlerweile schon etwas genervt. Und müde ... Eine Woche noch, dann sind wir hoffentlich durch mit dem Handwerker-Marathon.