Die Zeit in Deutschland lässt sich ruhig an. In den Monaten Mai und Juni sind wir zwar viel unterwegs, treffen Freunde und Familie, Frank hat den ein oder anderen Wettkampf, Beate ist wieder beim Kinderschutzbund präsent, aber eigentlich sind es recht entspannte Monate.
Ende Mai ändert sich die Situation …
Wir fragen uns, wie sinnvoll es denn eigentlich ist, zwei große
Häuser zu besitzen und zu unterhalten, wenn man doch immer nur
in einem wohnen kann. Natürlich stellen wir nicht unsere
Südafrika-Entscheidung in Frage, aber ist unser sehr schönes
Haus in Greven wirklich noch das richtige Zuhause in
Deutschland für uns? Wir werden in den kommenden Jahren nur
noch 4 – 6 Monate des Jahres hier verbringen. Der Garten
braucht Aufmerksamkeit und Pflege. Das Haus ist groß und immer
wieder ist etwas instand zu setzen, konzentriert auf wenige
Monate. Und auf Dauer können wir auch unseren Nachbarn nicht
zumuten, sich in den vielen Monaten unserer Abwesenheit zu
kümmern. Wir brauchen etwas Pflegeleichtes, etwas, das man
zuschließen und getrost einige Monate unbewohnt lassen kann.
Und es sollte eine Immobilie sein, die für uns auch dann noch
passen wird, wenn wir älter, weniger fit und mobil sind, und
Südafrika für uns vielleicht nicht mehr machbar ist. Nur wo?
In Greven? Seit 10 Jahren wohnen wir jetzt hier. Frank hat seine Freunde und Kontakte im Sportverein, einige von ihnen sind über die Jahre auch unsere gemeinsamen Freunde geworden, und wir haben definitiv auch nette Nachbarn. Aber darüber hinaus passiert hier, abgesehen von der Nähe zu Münster, die wir kaum nutzen, für uns nicht viel. So richtig heimisch sind wir hier nicht geworden.
In Rheine? Unsere „alten“ Freunde aus den 90er Jahren sind in Rheine. Die Lions-Freunde sind dort und der Kinderschutzbund. Aber Rheine als Stadt ist nicht unser Traum, insbesondere nicht, wenn der persönliche Radius im Alter immer kleiner wird und man nicht mehr mal eben hierhin oder dorthin fährt.
Über die Jahre hatten wir auch immer mal wieder überlegt, nach Süden in Alpennähe zu ziehen, der schönen Landschaft und des hohen Freizeitwertes wegen. Dort nach unseren Maßstäben „schön“ zu wohnen, würde aber definitiv den Rahmen dessen, was wir bereit sind auszugeben, sprengen.
Fulda? Frank ist in Fulda aufgewachsen. Wir haben Familie in Fulda. Fulda hat sich nach dem Mauerfall zu einer schönen lebhaften Stadt mit einem attraktiven Kulturangebot entwickelt. Und da ist die Rhön, nicht ganz so spektakulär wie die Alpen, aber für uns ist da noch einiges zu entdecken beim Radfahren, Mountainbiken und Wandern. Fulda hat einen ICE-Bahnhof. Die Nähe zu Frankfurt schlägt sich zwar auch in den Immobilienpreisen nieder, aber wir sind schnell am Flughafen und Beate kann viel leichter und schneller zu einen Familienbesuch Richtung München starten.
Wir entscheiden, unser Haus in Greven zu verkaufen und nach Fulda zu ziehen. In den nächsten Monaten werden wir also systematisch den Immobilienmarkt in Fulda screenen und uns die verschiedenen Optionen ansehen.
Im Juni machen wir die ersten Wohnungsbesichtigungen. Das Immobilienangebot ist nicht so, wie wir es uns erhofft hatten. Die bezahlbare Penthaus-Wohnung mit mindestens 120 – 130 qm Wohnfläche, zentral und doch ruhig gelegen mit Aufzug und Parkmöglichkeit, gibt es nicht. Es dauert nicht lange und wir machen die ersten Abstriche bei unseren Ansprüchen an barrierefreies Wohnen. Es muss nicht unbedingt eine Wohnung sein. Ein pflegeleichtes mehrgeschossiges Haus kommt auch in Frage, solange das Treppenhaus Potenzial für einen Treppenlift hat. Damit wird das Angebot für uns größer, aber die perfekte Immobilie ist erst einmal nicht in Sicht. Nun gut … wir haben keine Eile und hoffen in den nächsten 12 Monaten irgendwie fündig zu werden.
Juli und August sind Reisemonate …





























































Zwischendurch sind wir zu einem perfekten runden Geburtstag und für weitere, leider wieder erfolglose Immobilienbesichtigungen in Fulda.
Parallel tragen wir alle notwendigen Unterlagen zusammen, um Anfang Oktober, wenn wir wieder in Südafrika sind, Anträge auf dauerhafte Visa zu stellen. Wir wollen für die Zukunft die regelmäßige Unsicherheit, ob unsere befristeten Visa verlängert werden, und den immer wieder neuen Antrags-Marathon vermeiden.
Für September sind zwei Wochen Urlaub in Frankreich geplant. Erst werden nur wir beide eine Woche langsam Richtung Süden bis in das Massiv Central gondeln, dann werden wir uns mit Freunden aus Südafrika und Rheine (die gleiche Crew wie im August/September 2023) zu einer Hausboot-Tour auf dem Canal Midi treffen.
Weil es mehr oder weniger auf dem Weg nach Süden liegt, planen wir drei (für dieses Jahr letzte) Wohnungs-/Hausbesichtigungen in Fulda ein, darunter auch eine Doppelhaushälfte auf einem Mikro-Grundstück in einem Neubaugebiet. Wir wollten nie bauen und wir wollten nie in einem Neubaugebiet wohnen, wo die Nachbarn dir auf die Terrasse schauen können. Aber die Kriterien haben sich geändert und jetzt schauen wir uns auch das einfach mal an …
Die ersten beiden Besichtigungen sind erneut ernüchternd. Nein, so wollen wir – die Gründe sind vielfältig – nicht wohnen und leben. Dann das Neubaugebiet: leichte Hanglage, gut 50 Wohneinheiten sollen hier in den nächsten Jahren entstehen, die ersten Häuser am oberen Ende sind so gut wie fertig gestellt. Es sind praktische Häuser, 270 qm Grundstück, KfW-55-Standard, 140 qm Wohnfläche auf 2,5 Ebenen, Vollkeller, Dachterrasse, Garage. Die Häuser werden schlüsselfertig übergeben. Eines der fast fertigen Häuser hat der Bauträger eigentlich als Musterhaus geplant, das können wir uns ansehen. Von der Dachterrasse hat man einen Blick auf die Rhön.
Nach der Besichtigung fragt uns der Beauftragte des Bauträgers, wie wir jetzt verbleiben wollen. Wir bitten ihn – kein Scherz – uns mal fünf Minuten unter vier Augen zu geben. Länger brauchen wir tatsächlich auch nicht. Wir entscheiden, dass das in unserer jetzigen Situation eine sehr gute Kompromisslösung ist. Sollten wir dennoch falsch liegen, wird dies eine Immobilie sein, die man notfalls gut wieder verkaufen kann.




Die Herausforderung wird es nun sein, in den uns noch verbleibenden drei Wochen bis zum Abflug nach Südafrika, von denen wir zwei Wochen in Frankreich unterwegs sein werden, alles so zu organisieren, dass der Kaufvertrag unterschrieben werden kann und die Handwerker für die restlichen Innenausbauarbeiten koordiniert werden können. Eigentlich wollten wir nur Urlaub machen …
Auf der Weiterfahrt nach Frankreich fragen wir uns natürlich schon, ob wir da jetzt einen Schnellschuss machen. Warum suchen wir nicht einfach erst mal in aller Ruhe weiter? Insbesondere in diesem Baugebiet wird es ja in nächster Zeit definitiv noch weitere Häuser zu kaufen geben. „Aber keins mehr mit Aussicht auf die Rhön“, gibt Frank zu bedenken. Da hat er recht … 😉 Wahrscheinlich schaffen wir auch beide lieber Fakten, als jetzt noch monatelang immer weiter zu suchen, abzuwägen, Pro und Con zu diskutieren, um an Ende vermutlich so oder so irgendeinen Kompromiss zu schließen. Dieses Haus scheint ziemlich gut das zu treffen, was wir brauchen.
Die erste Urlaubswoche ist eine seltsame Mischung aus Sightseeing, Wandern, Kaufvertragsabstimmungen, Handwerkerkoordination und letzten Visa-Antrags-Vorbereitungen. Am meisten stresst uns, dass wir beide nur Handy und Tablet dabeihaben und die Bearbeitung von Dokumenten mit den unterschiedlichen IT-Systemen viel Zeit und Nerven kostet. An einem Abend sind wir kurz davor, unsere Sachen zusammenzupacken und wieder nach Hause zu fahren, um die Dinge von dort aus ganz in Ruhe regeln zu können. Dann bekommen wir es doch noch irgendwie hin und bleiben.
























Etwas müde, aber mit dem guten Gefühl die Woche mit unseren Freunden nun doch genießen zu können, starten wir unsere Bootstour auf dem Canal Midi. Nachdem wir vier, Louise & Wimpie, Lizette & Louis, Nicole & Matthias und wir beide, zuletzt vor 2 Jahren gemeinsam im Namaqualand in Südafrika unterwegs waren, sind unsere südafrikanischen Freunde nun wieder in Europa mit uns unterwegs. Der Wunsch war, eine Hausboot-Tour auf dem Canal Midi zu machen.
Voilà, nous y sommes ... Wir haben eine wunder(wein)schöne Woche miteinander … 😊
Die letzte Woche vor unserm Rückflug nach Kapstadt ist noch einmal ziemlich taff. Unser Kalender erinnert uns an turbulenteste Job-Zeiten. An einem Tag fahren wir morgens früh nach Fulda, unterschreiben den Kaufvertrag und haben anschließend fünf Handwerker-Termine hintereinander, um Fliesen auszusuchen, Badausstattung festzulegen, Steckdosen und sonstige Stromanschlüsse zu besprechen, Türen auszusuchen und uns für ein Parkett zu entscheiden. Danach können wir nur noch hoffen, dass die Bauleitung in der Zeit unserer Abwesenheit all diese Gewerke vernünftig koordinieren wird. Am 31.03.2026 soll die Übergabe sein.
Parallel sind noch letzte Bankdokumente für unsere Visa-Anträge zusammenzutragen, die aktuell sein und mit Stempel unter Unterschriften bestätigt werden müssen.
Das Auto muss noch mal in die Werkstatt, der Heizungsmonteur kommt und wir treffen uns mit potenziellen Käufern für unser Haus in Greven.
Haus und Garten sollen einigermaßen in Schuss sein, damit unsere Nachbarn möglichst nicht allzu viel damit zu tun haben. Die sind sehr lieb und sagen, wir sollen insbesondere den Garten einfach lassen, wie er ist, aber das bringen wir dann auch nicht wirklich fertig. Zumindest die Hecken uns Sträucher müssen geschnitten sein, damit der Herbst kommen kann.
Und wir haben weitere Verabredungen mit Freunden, um mal wieder Tschüss zu sagen für die nächsten Monate.
Am 22. September steigen wir in den Zug nach Düsseldorf, um via Istanbul nach Kapstadt zu fliegen. Entgegen unserer ursprünglichen Planung doch nicht nur mit Handgepäck, weil wir in den letzten Monaten so einige Dinge zusammengetragen haben, die wir in Südafrika nicht bekommen, aber dennoch gerne hätten.
Auch wenn wir es nicht wirklich zugeben wollen, aber wir sind ganz schön müde mittlerweile …