Cape Dreams
Unser Traum von einem zweiten Zuhause

373 Tage bis zum Kap (August 2023 - August 2024)

August/September 2023 - Nur ein Urlaub

Warum fliegen wir eigentlich in den Winter? 

Die Monate Mai bis September sind für mich die schönste Zeit in Deutschland. Es ist lange hell, es ist warm und mit etwas Glück regnet es nicht allzu viel. Aber egal – es ist Ende August und wir fliegen jetzt in den Winter. In den südafrikanischen Winter allerdings, das ist ja mehr so wie Winter in Süditalien oder Südspanien. Als unsere Freunde Nicole & Matthias allerdings im Juni in KwaZulu-Natal waren, haben sie sich dort lange Unterhosen und dicke Fleece-Pullis gekauft und trotzdem noch gefroren. Wir sind gespannt.

Eigentlich war diese Reise ins südafrikanische Namaqualand für 2020 geplant, aber Corona hatte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere südafrikanischen Freunde waren dann 2021 zunächst ohne uns dort unterwegs und schickten wunderschöne, neidisch machende Fotos per WhatsApp.

Dann der Plan für 2022, aber weil Corona immer noch nicht ausgestanden war, waren wir auch da noch zu feige. Aber jetzt, im August 2023 ist es so weit. Wir fliegen – endlich mal wieder – nach Südafrika.

Es ist unsere 15. Reise auf den afrikanischen Kontinent und mit zwei Ausnahmen (Mauritius/Réunion und Marokko) war es immer der Süden, der uns magisch angezogen hat. 1993, als das Apartheit-Regime in Südafrika vorbei war und die ersten demokratischen Wahlen für 1994 anstanden, waren wir das erste Mal dort. Irgendwo hatte ich gelesen, dass es für Reisende, die nach Südafrika kommen nur zwei Option gebe: Sie können sich nicht anfreunden mit diesem Land und diesem Kontinent und es bleibt bei der einen Reise. Oder sie infizieren sich unheilbar und kommen immer wieder. Wir waren fasziniert von dieser so vielfältigen Region, den grandiosen Landschaften, der beeindruckenden Tierwelt und den so intensiven Farben, Geräuschen und Gerüchen. Namibia, Botswana, Lesotho, Zambia, Malawi und immer wieder Südafrika – allein, mit Familie oder mit Freunden. Wir gehören definitiv zu den auf Lebenszeit Infizierten.

Unsere Freunde in Südafrika, die wir 1999 in Richards Bay kennenlernten und mit denen uns bis heute eine wirklich schöne Freundschaft verbindet, haben sicherlich auch einen wichtigen Anteil daran, dass wir immer wieder kommen.

Louise & Wimpie sind nach der Jahrtausendwende nach Sandton bei Johannesburg gezogen, weil Wimpie dort in ein Unternehmen einsteigen konnte, das sich mit dem Projektmanagement größerer Bauvorhaben beschäftigt. Mit den beiden haben wir über die Jahre großartige Touren durch Südafrika und Botswana, Réunion und auch Europa gemacht, waren Gäste auf der Hochzeit ihrer Tochter und haben Weihnachten und runde Geburtstage miteinander gefeiert.

Lizette & Louis, die bis 2016 eine Farm in Empangeni, KwaZulu-Natal, hatten waren ebenfalls bei einer Reihe dieser Touren dabei und leben mittlerweile am Kap in Somerset West.

Alle vier haben wir zuletzt 2019 in Johannesburg beim 60. Geburtstag von Wimpie gesehen. Seither gab es nur Kontakte per Telefon und WhatsApp. „Time with Friends“ habe ich unsere Chat-Gruppe seinerzeit getauft. Wie gut, dass man sich so auch über die Jahre dann doch nie ganz aus den Augen verliert. Jetzt werden wir uns zusammen mit unseren deutschen Freunden Nicole & Matthias alle in Somerset West bei Lizette & Louis treffen, um von dort aus gemeinsam Richtung Namaqualand zu starten.

Wir buchen – wenn möglich – immer noch die Nachtflüge. Das kommt noch aus der Zeit, als Urlaubstage ein kostbares Gut waren und wir keinen solchen Tag mit einem Flug vergeuden wollten. Mittlerweile hätten wir die Zeit, aber haben immer noch das Gefühl, wir könnten etwas versäumen. Frank verschläft in der Regel mindestens den halben Flug und ich rette mich mit vielen Filmen durch die Nacht mit eher wenig Schlaf.

Dieses Mal ist der Transfer nach Frankfurt allerdings etwas kompliziert. Ab 18.25 Uhr Flughafen Münster/Osnabrück haben wir gebucht, da kann man nachmittags noch ganz in Ruhe die letzten Sachen zusammensuchen – dachen wir. Mittags erfahren wir dann mehr zufällig als geplant, dass unser Flug storniert ist. Matthias und Nicole sind noch geschäftlich unterwegs und nun bricht echte Hektik aus. Es gibt noch einen Flug nach München und von dort dann nach Frankfurt, aber das wird zeitlich knapp. Telefonisch ist die Lufthansa nicht erreichbar, also fahre ich zum Flughafen, um direkt die Möglichkeiten auszuloten. Am Ende spendiert die Lufthansa uns ein Taxi nach Frankfurt und wir trinken uns alkoholfrei Mut an, auf dass uns Staus auf der Autobahn erspart bleiben. Mit Ankunft am Flughafen Frankfurt kehrt dann langsam etwas Entspannung ein. Und dass unser Flugzeug nach Kapstadt „Rheine“ heißt, nehmen wir mal als gute Omen.

Der Flug dauert mehr als 13 Stunden, der Flugraum über Niger ist gesperrt und wir fliegen um Westafrika herum. Mit 2 Stunden Verspätung erreichen wir am frühen Mittag Kapstadt.

Und dann ist es wieder da, dieses so schwer zu beschreibende Gefühl, wenn wir im Landeanflug sind und die ersten Details dieser afrikanischen Landschaft zu erkennen sind. Ein Gefühl, das mich immer nur erfasst und mir zuweilen Tränen in die Augen treibt, wenn wir nach Afrika fliegen. Dass wir das zusammen erleben, immer wieder hier sein können, hier sein dürfen, das ist pures Glück.

Nach der Landung werden wir so wunderschön herzlich am Flughafen willkommen geheißen, dass der ganze Stress von mir abfällt. Jetzt kann der Urlaub wirklich beginnen.

Wenn man vom Flughafen Kapstadt Richtung Strand / Somerset West fährt, kommt man zwangsläufig an Khayelitsha, einem der größten Townships Südafrikas vorbei. Innerhalb der Townships gibt es viele überwiegend kleine, aber solide gebaute Häuser mit Strom- und Wasserversorgung. Hier, direkt neben der Autobahn sieht man allerdings unzählige (illegale) Wellblechbehausungen. Mit einem Gewirr von Stromleitungen und lange Reihen von Toilettenhäuschen versucht man zumindest ein Minimum an Infrastruktur sicherzustellen. Die Euphorie ist für den Augenblick getrübt. Zwangsläufig frage ich mich, ob ich mich denn über meine Ankunft und die nächste Zeit hier in relativem Luxus freuen darf, wenn gleichzeitig so viele Menschen in diesem Land immer noch unter so unwürdigen Bedingungen leben. Und ich ertappe mich bei dem Gedanken, wie die wohlhabenden Weißen in diesem Land das zulassen können. Aber eigentlich sind es ja auch unsere Townships sowohl hier als auch in vielen anderen Dritte-Welt- und Schwellenländern. Unser Wohlstand wäre ohne die unzähligen Rohstoffe und Produkte aus diesen Ländern mit so viel niedrigeren Löhnen gar nicht möglich. Unsere Townships haben wir nur in diese Länder ausgelagert.

Müde sein gilt nicht …

Lizette & Louis wohnen im Ortsteil Montclair in einem kleinen im mediterranen Stil errichteten Estate. Wir sind das erste Mal hier, die beiden zeigen uns alles und der Satz „Fühlt Euch wie zuhause“ hat irgendwie nichts von einer Floskel. Wir fühlen uns gleich wohl. Eine Dusche, ein Kaffee und dann tauchen wir bei einem ersten Ausflug entlang der Küste Richtung Gordons Bay/Kogel Bay direkt in diese atemraubende Landschaft ein. Die Farben und das Licht lassen Bilder entstehen, die teilweise unwirklich und wie gemalt aussehen.

Tief beeindruckt sind wir am Abend von einem großen Indoor-Barbecue, der nicht nur für ein leckeres Abendessen, sondern auch für Wärme sorgt. Ja, wenn die Sonne nicht mehr scheint im südafrikanischen Winter, ist es kalt. Aber der abendliche Blick von der Terrasse ist ein Traum.

 Einkaufen, Wine Tasting und Familienanschluss 

Die ersten Tage in Namaqualand werden wir uns in zwei Cottages selbst versorgen. Bevor wir losfahren, ist also Einkaufen angesagt.

Zuhause ist Einkaufen in der Regel eine eher lästige Pflicht, die einer von uns eben erledigt, aber kaum sind wir auf Reisen, mutiert diese Pflicht zu einer unterhaltsamen Urlaubsaktivität. Wir starten in einer Mall, Frank und ich besorgen uns lokale Telefonkarten und ich nutze die Gelegenheit schnell einen dicken Fleece-Pulli zu kaufen. Ja, ich hätte es schon beim Packen besser wissen können …

Größere Supermärkte ähneln sich mittlerweile überall auf der Welt. Den Unterschied machen die Kleinigkeiten. Ein teilweise doch anderes Angebot an Obst, Gemüse und sonstigen Frischwaren, dazwischen immer wieder auch deutsche Produkte und Marken, die hier fremd für uns wirken, Alkohol nur im separaten Bottle Store und an der Kasse jemand, der hilft alles in unseren Taschen oder in Plastikbeutel zu verstauen. Die Preise sind spürbar niedriger als bei uns, doch das ist hier klar ein Supermarkt für die eher besser betuchten. Wie wir aus unseren früheren Reisen wissen, bekämen wir in einem typischen Township-Supermarkt auch alles Notwendige, die Auswahl wäre aber deutlich reduzierter.

Den Nachmittag verbringen wir auf zwei Weingütern, die hier schon ziemlich anders sind, als wir das aus Deutschland kennen und auch noch von unserem ersten Besuch in Südafrika in Erinnerung haben. Da hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten eine Menge verändert. Heute sind es teilweise große Weinfarmen, eingebettet in eine tolle Landschaft mit herrlichen Ausblicken, die mit ihren Restaurants, kleinen Shops, Kunstausstellungen und Entertainment-Bereichen attraktive Ausflugsziele darstellen. Wären wir ohne unsere südafrikanischen Freunde unterwegs, wären wir sicher nicht auf die Idee gekommen, so viele davon zu besuchen.

Bei Ernie Els, einem berühmten südafrikanischen Golfer, kann man nicht nur ein leckeres Wine Tasting veranstalten, sondern auch seinen Abschlag trainieren …

Am Abend dann erleben wir bei Lizette & Louis erneut, was uns auch schon bei Louise & Wimpie immer wieder so fasziniert hat. Ganz selbstverständlich erfahren wir Familienanschluss.

Lizette und Louis haben zwei Töchter, Zwillinge. Beide haben nach ihrem Studium in Stellenbosch – da haben sich übrigens Lizette & Louis seinerzeit (vor fast 40 Jahren …) kennengelernt – einige Jahre in Dubai gelebt. Marissa und ihr Mann sind dann nach Richards Bay zurückgekehrt. Lize und Jaques leben mit ihren beiden Kindern Austin und Chloe ebenfalls in Somerset West und sind nun zum Essen da. Wir kennen uns bislang nicht und doch ist die Begrüßung so herzlich, dass uns ja eher etwas unterkühlten Deutschen sofort ganz warm ums Herz wird.

Und der ganze Abend ist irgendwie auch ein Beispiel, wie bunt und kosmopolitisch es hier in der Kap Region zugeht: wir Deutsche, unsere südafrikanischen Freunde, die alle vier in Südafrika geboren und aufgewachsen sind, darunter Lizette, die über Ihre Mutter deutsche Wurzeln hat, Lize, die eine Zeit lang in Dubai gelebt hat und Jaques, dessen Eltern mittlerweile nach Neuseeland ausgewandert sind. Im Laufe des Abends schaut dann noch ein befreundetes Paar vorbei … sie ist Holländerin …

 Jetzt zu den Blumen ... 

Am nächsten Morgen brechen wir dann auf Richtung Norden mit ausgeliehenem 4x4, unseren Fahrrädern auf dem Anhänger und viel guter Laune im Gepäck …

Die kommenden Tage sind bunt und erlebnisreich:

Mit einigen coffee stops über Bothmanskloof- und Piekenierskloofpass, Roosterkoek- und Rooibos-Tee-Tasting in Citrusdal und den Wasserfällen bei Nieuwoudtville zu unseren Cottages auf der Papkuilsfontein Guest Farm.

Bei schlechtem Wetter Hantam Botanical Gardens, „world’s best pancakes“ in Nieuwoudtville, Kuiver Tree Forest. Dann kommt die Sonne raus und wir machen eine erste Fahrradtour auf der Guest Farm.

Nach zwei Tagen weiter nach Clanwilliam und ins Bidouw Valley mit Blumen, Blumen und Blumen …

In Langebaan wohnen wir im The Farmhouse Hotel. Hier wird die Welt gerade wieder klein: Das Hotel wird von einem jungen Paar geführt, sie ist in Richards Bay mit Lizettes und Louis‘ Töchtern zur Schule gegangen …

Von dort gelangen wir direkt in den West Coast National Park, den wir mit Auto und Rädern erkunden. Auch hier blüht es überall und Meer und Lagune bieten noch einmal zusätzliche Perspektiven.

 Berge, Meer und Wein … 

Halbzeit: Neun Tage sind wir jetzt schon unterwegs, Louise & Wimpie sind mittlerweile nach Johannesburg zurückgekehrt und wir sind wieder in Somerset West und werden die nächsten neun Tage die Region vor der Haustür genauer erkunden. Lizette & Louis hatten viel Zeit und Energie in unserer Flower Tour investiert, waren die Strecken teilweise vorher abgefahren und hatten Unterkünfte und Restaurants vorher ausgekundschaftet und getestet. Die perfekten Reiseführer. Jetzt sind sie wieder mit uns bei sich zuhause … und das Programm für uns geht weiter.

Aber es ist jetzt etwas anders. Auch die kommenden Tage sind wir viel unterwegs in den Weinorten mit vielen wunderschönen Weinfarmen, am Strand und entlang der Küste bis nach Hermanus zum Wale Watching, das hatte ich mir gewünscht.

In Hermanus haben wir ein schönes Ferienhaus, aber etwas Pech mit der Infrastruktur. Load shadding und kein Wasser … Die Vermieter, Freunde von Lizette & Louis, finden das gar nicht gut und organisieren kurzerhand, dass wir in ihrem privaten Ferienhaus duschen und den Abend verbringen können. Wow, nicht schlecht für ein Wochenendhaus …

Rund um die Tage in Hermanus geht es auch geruhsamer zu, weil man immer wieder „nach Hause“ (Lizettes & Louis‘ Zuhause) zurückkehrt, und von mehr alltäglichen Dingen und Themen begleitet wird.

Frank testet den Alltag, indem er trainiert. Er geht laufen, startet direkt von der Haustür und erkundet so das Wohngebiet etwas genauer. Noch bis vor kurzem hatte ich gedacht, so etwas geht in Südafrika außerhalb von umzäunten Ressorts oder Farmen nicht, aber hier ist es kein Problem. Leute führen ihre Hunde spazieren, Kinder sind mit ihren Fahrrädern unterwegs. Es ist ungefährlich, versichern uns Lizette & Louis. Sie können sich nicht erinnern, dass in der Zeit, in der sie dort leben, mal etwas passiert sei.

Während der Rest unserer Gruppe später den Strand und das Meer genießt, organisiert Louis für Frank eine Schwimmeinheit in seinem Gym. Quintessenz: man kann hier auch Sport machen … 😉

Ganz nah, am Rande der Bebauung liegt das Helderberg Nature Reserve und führt hinauf zum Fuße des Helderberg West Peaks. Da ist man direkt in der Natur, Proteas und Fynbos wachsen überall und man hat einen grandiosen Blick über Somerset West bis nach Strand, das Meer und die Berge. Frank war am Morgen bei seinem Lauf bereits hier und jetzt machen wir mit Matthias & Nicole einen Spaziergang im Nature Reserve.

Ich weiß nicht, was genau es ist, aber irgendetwas an der zu dieser Jahreszeit doch eher kargen Landschaft spricht mich ungemein an. Ich möchte hier gerne stundenlang spazieren gehen, schauen, genießen, die Farben auf mich wirken lassen und den Geruch des Fynbos tief inhalieren. Weil der Park bald schließt, haben wir längst nicht so viel Zeit, wie ich hier gerne noch verbringen würde. Ich möchte wiederkommen.

Wenn wir abends zusammensitzen, ist auch viel Zeit und Gelegenheit für ausführlichere Gespräche. Wir versuchen, besser zu verstehen, wie das Leben in diesem Land aktuell funktioniert. Wie arrangiert man sich damit, dass immer wieder der Strom für mehrere Stunden abgeschaltet wird? Wie schätzt man die aktuelle politische Situation ein? Was bedeutet das für die weitere Entwicklung der Wirtschaft, den Tourismus, den Immobilienmarkt?

Lizette & Louis sind sehr zufrieden damit, jetzt, nachdem sie ihre Farm verkauft haben, in Somerset West zu leben, weil im Western Cape doch einiges anders/besser als im Rest des Landes laufe. Die Regionalpolitik sei eine andere, weil nicht der ANC, sondern die Democratic Alliance hier die Regierung stelle. Die Bevölkerungsstruktur sei viel stärker von farbiger und nicht von schwarzer Bevölkerung geprägt und die wählten eher nicht den ANC, berichten sie uns.

Sie erzählen, dass sich hier rund um Kapstadt auch immer mehr Europäer niederlassen und Immobilien erwerben. Sehr viele Deutsche, Schweizer und Österreicher seinen in den letzten Jahren gekommen. Sie nennen sie die „European Swallows“, weil sie zum Sommer einfliegen und zum Winter Südafrika wieder gen Norden verlassen. Das führt dazu, dass wir etwas, das wir sowieso immer in Urlauben tun, auch hier machen: wir screenen den Immobilienmarkt ein wenig und fragen uns, ob wir hier leben wollten. Als wir in einer Mall unterwegs sind, verschwindet Lizette kurz im Geschäftslokal eines größeren Immobilienmaklers und besorgt Prospekte. Damit könnten wir mal einen Eindruck gewinnen, was der Markt im Moment so böte. Appartements oder Häuser sind hier günstiger zu haben als bei uns rund um Münster und erst recht günstiger als in Städten wie Düsseldorf oder München. Wir träumen ein wenig – wie so oft, wenn wir mit Urlaubslaune irgendwo sind, wo es uns gefällt …

Es gibt noch etwas, was wir seit Jahren in unseren Urlauben gerne machen. Wir suchen in Galerien nach kleinen Bildern, die wir im Koffer mitnehmen können. Die finden dann alle an einer Wand im Wohnzimmer ihren Platz und erinnern uns an die schönen Reisen.

Galerien gibt’s hier auch, in Stellenbosch, Franschhoek, im Route 44 auf dem Weg nach Stellenbosch und so weiter, und so weiter. Und auch dieses Mal werden wir wieder fündig.

Und dann noch mal Weinfarmen, die uns nicht nur wegen ihrer Aussicht und dem Wein, sondern auch deshalb so gut gefallen, weil sie in ihren Parks und Gärten eine Menge Skulpturen und sonstige Kunst beherbergen. Leider passt davon nichts in einen Koffer …

Vergelegen

Almenkerk

Iona

Creation

Lourensford

Delaire Graff

Tokara

Muratie

Waterford

Irgendwann ist dann leider auch die zweite Hälfte unseres Urlaubs zu Ende. Wir machen einen letzten Ausflug zum Strand …

… und dann bleibt nur noch ein etwas wehmütiges Goodbye am Flughafen und das Versprechen, sich möglichst bald wiederzusehen. 2025 irgendwo in Europa, ist der Plan.

Während des Flugs lassen Frank und ich noch einmal unsere Eindrücke insbesondere des zweiten Teils unserer Reise Revue passieren. Wir halten in diesem Moment den Gedanken, auch eine längere Zeit am Kap zu verbringen gar nicht für so abwegig. Es ist dieses Urlaubsfeeling, das jetzt noch in uns steckt. Erfahrungsgemäß legt sich das zuhause nach kurzer Zeit wieder und übrig bleibt eine schöne aber wohl unrealistische Träumerei und Pläne und Ideen für einen nächsten Urlaub.

Oktober-Dezember 2023 - Ein neuer Plan

Cape Dreams

In Deutschland hat sich der Sommer verabschiedet und die Heizung läuft wieder. Die Bilder des Urlaubs verblassen wie üblich langsam und die Träumerei geht nach und nach im Alltag wieder unter.

Oder doch nicht? Die typischen Urlaubsträumereien sind in der Vergangenheit immer daran gescheitert, dass die Orte, wo wir waren, zwar häufig sehr schön waren, aber für ein alltägliches Leben nicht die Infrastruktur aufwiesen, die uns auf Dauer wichtig wäre. Bezüglich Südafrika war ich außerdem fest davon überzeugt, dass das zwar eine wunderschöne Reiseregion ist, aber ich mir ein alltägliches Leben dort auch aus anderen Gründen eher nicht vorstellen kann. Letztlich zu gefährlich und wer will schon hinter Mauern und Zäunen leben? Dann der Eindruck, dass man als Frau dort auch noch mehr eingeschränkt ist in seiner täglichen Freiheit. Und was passiert, wenn man mal ernsthaft krank wird und wirklich gute medizinische Versorgung braucht? In den Gesprächen mit Lizette & Louis haben wir all diese Themen immer wieder gestreift und so ganz nebenbei eine Menge Informationen erhalten, die mein bisheriges Bild ziemlich auf den Kopf stellen.

Es gibt schöne Estates, wie das, in dem die beiden wohnen. Kein freier Zugang und trotzdem fühlte man sich nicht eingesperrt. Und wir haben dort auch sehr viele freistehende Häuser gesehen. „Hier ist es sicher, hier passiert nichts und im Fall der Fälle ist die Armed Security binnen 5 Minuten vor Ort“, hallt es in meinen Ohren.

Als Frau allein unterwegs, scheint eigentlich nicht wirklich ein Problem zu sein. OK, einen Abendspaziergang würde ich vermutlich auch mit den neuen Erfahrungen dort nicht allein machen, aber das mache ich zuhause ja üblicherweise auch nicht.

Bisher sind wir zum Glück fit und gesund. Und für den Fall der Fälle gibt es in Somerset West eine gute medizinische Versorgung und gute Krankenhäuser, in denen sogar auch ein paar deutsche Ärzte arbeiten.

Und es ist alles da hinsichtlich der sonstigen Infrastruktur: Geschäfte, Kulturangebot, Sportmöglichkeiten und sonstiges Freizeitangebot …

Irgendwann im Oktober stellen wir fest, dass dieser Gedanke, am Kap den deutschen Winter zu verbringen uns beide nicht mehr loszulassen scheint.

„Kannst Du Dir das immer noch vorstellen?“
„Ja, und Du?“
„Ja, ich auch.“

Wir grinsen uns an.

„Ein bisschen verrückt ist die Idee ja schon, oder?“
„Ja, aber es ist doch schön, etwas verrückt sein zu können.“

Wir überlegen, was das denn eigentlich praktisch für unsere Aktivitäten und Kontakte in Deutschland bedeutet. Frank hat die für ihn wichtigen Punkte bereits vorgedacht.

Ja, Nachhaltigkeitsthemen sind jetzt endlich aus der idealistischen Nische raus. Unternehmen müssen sich mit Nachhaltigkeitsberichterstattung und Nachhaltigkeitsmanagement beschäftigen und es scheint nicht allzu viele Experten zu geben, die schon so tief in der Materie stecken wie er. Sein Wissen ist gefragt, Potenzial für gut bezahlte Beratungstätigkeit tut sich an mehreren Stellen auf und Frank könnte jetzt noch einmal so richtig durchstarten. „Ja, aber will ich das überhaupt?“, fragt er sich. „Jetzt schauen wir erst einmal, was die kommenden 10 Monate so bringen und vieles kann man ja auch aus Südafrika remote weiterführen.“

Und wie steht es in der Kap Region um den Triathlon-Sport? Frank hat schon längst herausgefunden, dass es den Stellenbosch Triathlon Squad gibt mit verschiedensten Leistungsgruppen und Trainingsangeboten.

Ich hingegen habe im Moment noch mehr Fragen im Kopf als Lösungen.

Was passiert mit „meinem“ Kinderschutzbund? Zwar läuft dort auch nicht alles so, wie ich es gerne hätte, aber darf ich die Mannschaft dort jetzt einfach so im Stich lassen? Da muss eine Nachfolgeregelung oder Umorganisation her.

Der jährliche Lions-Adventskalender braucht einen neuen Koordinator, denn in der Hauptphase der Aktivitäten wäre ich nicht da.

Und was ist mit den sozialen Kontakten? Was ist mit meinen Mädels? Werden wir uns wieder aus den Augen verlieren oder wird das mit 6 Monaten live und 6 Monaten online im Jahr weiter funktionieren?

Was bedeutet es denn eigentlich praktisch, wenn unser Haus 6 Monate im Jahr leer steht? Wie kann man es organisieren, dass dort regelmäßig jemand nach dem Rechten schaut?

Aber ich habe auch Bilder im Kopf, die mir sehr gefallen.

Sommer in Deutschland und Sommer in Kapstadt. Das Leben spielt sich überwiegend draußen ab. Keine dunkle Jahreszeit mehr, in der man wochenlang die Sonne nicht sieht.

Das Helderberg Nature Reserve kommt mir wieder in den Kopf. Das wird mein bevorzugtes Spazier- und Wandergebiet vor der Haustür. Helderberg – Beateberg.

Meer und spontane lange Spaziergänge am Strand, ohne erst einen Nordsee-Urlaub planen zu müssen.

Auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten sitzen und mit einem Kaffee in der Hand einen wunderschönen Ausblick genießen.

Gemeinsam mit Frank diese neue Region erkunden und all die uns noch unbekannten schönen Plätze und Orte entdecken.

Mit Lizette & Louis die ersten Freunde vor Ort haben und zusammen unterwegs sein, Spaß haben. Und dann neue Leute kennenlernen, die dort – so hoffe ich – offener und besser gelaunt sind als der Durchschnitts-Deutsche.

Trotzdem habe ich erst einmal die vorsichtige Variante im Kopf: Lass uns im kommenden Winter dort etwas anmieten für mehrere Monate und dann schauen wir einfach mal, was das mit uns macht.

Frank ist Frank und will nicht erst rumprobieren, will eigentlich lieber gleich Nägel mit Köpfen machen und etwas kaufen. Allein, ob das finanziell machbar ist, besorgt ihn noch etwas.

Die Begeisterung bei dem Gedanken daran, zusammen noch einmal etwas komplett Neues zu starten reist mich dann mit.

„Klar können wir uns das leisten“, sagt die Bankerin und wir schauen uns noch mal unseren Finanzstatus an, planen Risikoabschläge mit ein und sind am Ende sicher, dass es geht.

„Lass uns nach einem Haus in Somerset West suchen. Aber ein Haus mit Aussicht muss es sein!“

Wir registrieren uns bei Property24, um so nach und nach ein Gefühl für den Immobilienmarkt zu bekommen. Unser Ziel ist es, bis zum Sommer 2024 etwas gefunden zu haben, um dann erstmals den Winter 2024/25 dort zu verbringen. Wir haben Zeit …

Nahezu täglich trudeln nun Immobilienangebot bei uns ein und wir finden recht schnell heraus, welche Wohngegenden für uns eher in Frage kommen und welche nicht. Häuser innerhalb von eingezäunten Estates geraten schon bald aus unserem Fokus, denn fast immer sind es Häuser auf sehr kleinen Grundstücken und der Blick von Terrasse oder Garten aus endet schnell vor einer Mauer oder dem Nachbarhaus. Das erinnert zu sehr an die typischen Neubaugebiete in Deutschland und das wollten wir dort schon nie.

Es gibt keinen Grund schon zu Anfang der Suche Kompromisse zu schließen. Wir haben Zeit. Wir wollen ein vernünftig großes Grundstück in guter, ruhiger Lage, Wir wollen einen schönen Ausblick und nicht den Nachbarn direkt vor der Nase. Wir wollen aus Sicherheitsgründen aber auch keine Alleinlage, sondern schon etwas innerhalb eines Wohngebietes. Und das Haus muss Platz für Gäste haben, denn Familie und Freunde sollen bei uns immer willkommen sein. Ja, und bezahlbar bleiben muss es auch.

Parallel sammeln wir Informationen, an was man alles so denken muss, wenn man als Deutscher eine Immobilie in Südafrika kaufen will und zukünftig mehrere Monate im Jahr dort verbringen möchte.

Louis schickt uns die Kontaktdaten von Moritz, einem Schweizer, der seit einigen Jahren in Somerset lebt und dort Wohnobjekte nach mitteleuropäischen Standards plant und realisiert. In einem Telefonat mit ihm erhalten wir unter anderem die Empfehlung, uns bezüglich der notwendigen Finanztransaktionen mit Gisela in Verbindung zu setzen. Die berät mit ihrer Firma Finest Monetary Solutions seit mehr als 10 Jahren überwiegend Deutsche, Österreicher und Schweizer, die sich in der Kap Region niederlassen wollen, Leute wie uns also.

Im Internet finde ich die Seite Kapstadt.de, die ebenfalls viele Informationen bereithält. Der Inhaber der Website ist ebenfalls ein Deutscher und kurzerhand rufe ich den einfach mal an. Tatsächlich habe ich ihn direkt am Telefon. Er ist sehr freundlich, sagt aber, er sei auf dem Sprung zu einem Termin und habe leider nicht viel Zeit. Dann telefonieren wir eine knappe halbe Stunde miteinander … Immobiliensuche, Visa-Regelungen und wie es sich ganz allgemein dort so lebt, sind unsere Themen.

Ein Touristenvisum erlaubt den Aufenthalt im Land für 90 Tage. Danach braucht man entweder eine Verlängerung, deren Beantragung aber durchaus 8 – 10 Wochen dauern kann. Sonst muss man spätestens an Tag 90 ausreisen und dann später erneut mit einem Touristenvisum wieder einreisen. Lange Zeit sind viele European Swallows in eines der Nachbarländer aus- und dann wieder eingereist, aber die Ausstellung eines neuen Touristenvisums ist jetzt nicht mehr zulässig, wenn man auf dem Landweg aus einem afrikanischen Land wieder einreist. Aber es gibt Agenturen, die bei diesen Visa-Themen unterstützen.

Frank recherchiert, wie man als Non-Resident in Südafrika an ein Auto kommt. Das ist etwas skurril: eine Immobilie in Südafrika zu kaufen, ist kein Problem, aber ein Auto kaufen geht leider nicht so einfach. Also kommt vermutlich eher eine Langzeitmiete von bis zu 6 Monaten in Frage. Und was kostet es eigentlich, wenn man Dinge, die man in Deutschland doppelt und dreifach hat, mit einer Spedition nach Somerset schicken will? Mitnehmen oder vor Ort neu kaufen werden wir wohl für ganz viele Dinge entscheiden müssen.

 4 Marianne Close, Fairview Hights 

Mitte November ist es dann plötzlich und völlig unerwartet schon so weit. Wir haben unser Traumhaus gefunden.

Am Sonntag kontaktieren wir Lizette & Louis, denn jetzt brauchen wir Support vor Ort. Unsere neue WhatsApp-Gruppe nenne ich „Cape Dreams“ …

Noch am gleichen Tag fahren die beiden (oder laufen?) zu dem Haus, vereinbaren einen Besichtigungstermin für den folgenden Tag und vermitteln uns den Kontakt zu ihrer Immobilienmaklerin Edelweiss (ja, so heißt sie wirklich …), mit der sie selbst schon erfolgreich zusammengearbeitet haben.

Am nächsten Tag ist Frank den ganzen Tag unterwegs, aber für den späten Abend haben wir einen Video-Call mit den beiden vereinbart.

Das Haus macht einen guten, gepflegten Eindruck, liegt perfekt und ruhig in einer Sackgasse. Die beiden haben viele zusätzliche Fotos gemacht und finden das Haus prima. Und Aussicht gibt es auch …

Louis sagt, wenn wir es nicht kaufen wollten, würde er es tun … 😉

Allerdings … es liegt bereits ein Angebot vor.

In Südafrika läuft das mit dem Hauskauf etwas anders als bei uns. Die Objekte werden in der Regel über einen Makler angeboten. Wenn man sich ernsthaft für ein Objekt interessiert, gibt man ein verbindliches Angebot ab, dass schon alle Details eines Kaufvertrages enthält. Nimmt der Verkäufer das Angebot an, hat man einen Kaufvertrag geschlossen. Innerhalb weniger Tage ist dann eine Anzahlung von üblicherweise 10% des Kaufpreises fällig und auf ein Treuhandkonto des Anwalts („Conveyancer“) zu überweisen.

Handelt es sich um ein attraktives Objekt, dass man unbedingt haben möchte, muss man schnell sein. Diese Phase, dass man Interesse bekundet, sich das Objekt mal ganz in Ruhe anschaut und dann über den Preis verhandelt gibt es da eher nicht.

Für „unser“ Haus hat also schon vor uns jemand ein verbindliches Angebot gemacht, dass allerdings noch unter dem Vorbehalt steht, dass man eine Finanzierungszusage erhält. Klappt das nicht, kämen wir zum Zuge.

Am Dienstag telefonieren wir mit Edelweiss und versuchen, alle möglichen Fragen zu klären. Und dann kommt so richtig Hektik auf.

Wir erhalten ein vorbereitetes Kaufangebot. Das geht mit unzähligen Mails und WhatsApp-Nachrichten viele Male hin und her, bis endlich alles für uns zu passen scheint. Am Mittwochnachmittag haben wir schließlich alle wichtigen Fragen mit Edelweiss geklärt und ein verbindliches Kaufangebot unterschrieben und abgegeben.

Am nächsten Tag schickt Edelweiss uns Infos zu einem anderen zum Verkauf stehenden Haus „just if the other property does not work out“. Will sie uns vorsichtig beibringen, dass die Chancen nicht so riesig sind? Wir bleiben erst einmal optimistisch.

Sollten wir Ende der Woche tatsächlich zum Zuge kommen, müssen wir innerhalb von 3 Tagen nach Annahme unseres Kaufangebotes die Anzahlung leisten.

Ich war davon ausgegangen, dass wir die Anzahlung direkt aus Deutschland auf das Treuhandkonto in Südafrika überweisen würden. In einem Telefonat mit Gisela, die uns bei den finanziellen Themen unterstützen soll, erfahre ich, dass die Anzahlung unbedingt über ein Konto von uns in Südafrika laufen sollte. Ansonsten sei es bei einem späteren Verkauf des Hauses sehr langwierig und mühsam, das Geld wieder nach Deutschland zu transferieren. Es muss also jetzt sehr schnell ein Konto in Südafrika her.

Gemeinschaftskonten gibt es dort nicht, also wird es jetzt mein Konto mit einer Vollmacht für Frank. Für die ganzen Legitimationsformalitäten – wir sind ja nicht vor Ort – müssen diverse Unterlagen durch einen Notar beglaubigt werden. Das gelingt uns binnen eines Tages.

Parallel kläre ich über die Commerzbank, wie ich Geld nach Südafrika transferieren kann und in einem Telefonat mit der Bundesbank finde ich heraus, wann und wie ich die notwendigen Meldungen gemäß Außenwirtschaftsgesetz machen muss.

Am Freitag kann ich die kompletten Unterlagen zur Kontoeröffnung bei der Investec Bank zurückschicken. Jetzt haben wir erst einmal alles getan, was wir tun konnten, und warten auf eine Rückmeldung von Edelweiss bzw. der Verkäuferin.

Am frühen Abend kommt dann die Nachricht, dass die Kaufinteressenten mit dem ersten Angebot ihren Kredit bewilligt bekommen haben und das Haus kaufen werden. In unser Traumhaus wird jemand anderes einziehen … Wie schade …

Klar sind wir enttäuscht, aber wir mussten damit rechnen. Relativ schnell trösten wir uns damit, dass der Markt im Moment so sehr in Bewegung ist, dass wir bestimmt bald ein neuen Traumhaus finden. Diese verrückte Woche hatte jetzt auch etwas Gutes. Wir haben eine Menge gelernt und vieles auf den Weg gebracht. Mit der Kontoeröffnung hätte es möglicherweise ohnehin nicht rechtzeitig funktioniert. Keine Ahnung, was das dann praktisch bedeutet hätte. Beim nächsten Mal sind wir vorbereitet und es wird definitiv weniger stressig werden.

 Offene Karten 

Obwohl es mit dem Haus nicht funktioniert hat, hat die ganze Aktion gezeigt, dass es uns wirklich ernst mit unserem Vorhaben ist. Bisher haben wir weder mit Familie noch mit Freunden über unserer Überwinterungspläne gesprochen. Jetzt wollen wir an der ein oder anderen Stelle raus mit der Kommunikation.

Frank wird seinen Beratungskollegen sagen, dass er ab Herbst nur noch eingeschränkt zur Verfügung stehen kann.

Ich informiere bei der Vorstandssitzung Mitte November die Vorstandskollegen beim Kinderschutzbund, denn eigentlich gehen alle für die nächste Mitgliederversammlung davon aus, dass ich wieder zur Wahl stehe. Ich bin nicht unersetzbar, aber ich denke, es braucht etwas Vorlauf, den Vorstand neu zu besetzen. Anna und Andrea allerdings sagen sofort, dass das doch kein Ding sei. Online gehe das meiste doch auch. Ich muss darüber nachdenken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das will. Ich bin ein Perfektionist und deshalb auch etwas ein Kontroll-Freak. Wie soll ich alle wichtigen Fäden in der Hand halten, wenn ich 6 Monate im Jahr nicht vor Ort bin? Wie groß ist mein Vertrauen, dass keine wichtigen Entscheidungen, die ich qua Funktion verantworten muss, an mir vorbeigehen? Bringe ich die nötige Gelassenheit auf, gewisse Dinge dann doch einfach mal laufen zu lassen? Am Ende stimme ich zu, es zumindest zu versuchen mit dem hybriden Vorsitz im Vorstand. Hundertprozentig überzeugt bin ich nicht …

In den nächsten Wochen und Monaten erzählen wir so nach und nach der Familie, den Freunden, Vereinskollegen, Lions von unseren Plänen. Die Reaktionen sind so unterschiedlich wie die Menschen, mit denen wir sprechen. Von echtem Interesse und „Super, Ihr macht genau das richtige.“ bis mehr oder weniger kommentarlosem zur Kenntnis nehmen ist alles dabei. Wer Südafrika nicht kennt, hält uns vermutlich für leicht wahnsinnig. Ich mache mir wieder viel zu viele Gedanken, was andere von uns denken, interpretiere die Reaktionen und frage mich immer wieder wie ich wem was erzähle. Auf der einen Seite möchte ich so gerne meine Freude und Begeisterung mit allen teilen, auf der anderen Seite möchte ich nicht großkotzig und angeberisch rüberkommen. Frank ist, wie meistens, völlig egal, was andere über uns denken. Er ist aber auch nicht so mitteilungsbedürftig wie ich.

Die Reaktionen meiner Mädels sind auch unterschiedlich, aber sie versuchen meine Freude zu verstehen und zu teilen. Sie sind nur etwas traurig, dass ich demnächst sechs Monate im Jahr nicht da sein werde.

Auch innerhalb der Familie gibt es diejenigen, die begeistert sofort ihren Besuch ankündigen und diejenigen, die interessiert Fragen stellen, aber unser Vorhaben wohl eher aus Deutschland heraus verfolgen werden.

Ich ertappe mich ab jetzt dabei, dass ich immer öfter bei jahreszeitlich bedingten Dingen, die ich tue oder gerade erlebe, denke, das ist für längere Zeit das letzte Mal, dass ich das mache. Das sind fast nur positive Gedanken, also Dinge, die ich vermutlich nicht vermissen werde. Ein Bedauern ist so gut wie nicht dabei. Die Vorfreude und Begeisterung halten an.

 Eine Liste 

Bei vielen Themen stellen sich jetzt mehr und mehr praktische Fragen, wie es zu organisieren ist, wenn man sechs Monate am Stück nicht in Deutschland ist.

Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus? Müssen wir uns zusätzlich versichern? Aber da haben wir Glück, unsere privaten Krankenversicherungen decken auch solche Auslandsaufenthalte komplett bzw. gegen einen kleinen Aufschlag mit ab. Sowieso planen wir, alle regelmäßig anstehenden Vorsorgeuntersuchungen im Laufe des Sommers zu absolvieren, damit Arztbesuche in Südafrika nur in Notfällen nötig sind.

Ein Blick auf meine ganzen Aktenordner führt dazu, dass ich nun endlich meine schon lange gehegten Cloud-Überlegungen in die Tat umsetze und alle wichtigen Dokumente digitalisiere. Papierpost versuche ich, soweit das praktisch möglich ist, auf Mailversand umzustellen, stoße dabei aber auch auf einen nicht unerheblichen Digitalisierungsrückstand in Deutschland. Wir werden jemanden brauchen, der regelmäßig unseren Briefkasten checkt, Briefe öffnet und uns wichtige Post scannt bzw. abfotografiert und zuschickt.

Überhaupt brauchen wir jemanden, der regelmäßig in Haus und Garten nach dem Rechten sieht. Frank hat schon jemanden im Kopf, der bereits an anderer Stelle regelmäßige hausmeisterähnliche Dienste leistet. Noch bleiben diese Überlegungen bei uns, denn noch haben wir ja eine Menge Zeit.

Es gibt auch eine Menge notwendige Reparaturen am Haus, die wir idealerweise dann noch diesem Sommer erledigen wollen. Mit dem andauernden Handwerkernotstand auch kein leichtes Unterfangen. Wir machen eine Liste …

Mit der beginnenden Weihnachtszeit werden die Immobilienangebote, die wir regelmäßig erhalten spürbar weniger. Weihnachtszeit ist Urlaubszeit in Südafrika. Keine gute Zeit, um Häuser zu verkaufen oder zu kaufen. Bei uns kehrt wieder Alltag ein und über die Feiertage fliegen wir nach Fuerteventura, schon lange geplant und gebucht. Damit machen wir auch von unseren Südafrikaplänen etwas Urlaub und genießen einfach unsere Ferienwohnung mit Blick über Strand und Meer.

Januar 2024 - Zimmer mit Aussicht

Und plötzlich wird es wieder turbulent

Wir sind aus Fuerteventura zurück und versuchen, uns wieder an Tage ohne Sonne zu gewöhnen. Wie kann einem das bloß so schwerfallen, wenn man doch hier sein nahezu gesamtes Leben verbracht hat?

Am Montag, den 15. Januar, bekommen wir eine kurze WhatsApp-Nachricht von Edelweiss „3 Rue Aimes coming up for a reasonable price but still negotiable“ mit zwei Fotos und einem Panorama-Video. Ihr Kollege hat dieses Objekt gerade reinbekommen und wir wären jetzt die ersten Interessenten, bevor es überhaupt in die Vermarktung geht.

Am nächsten Tag noch einmal ein paar Fotos mit toller Aussicht und ersten weiteren Infos, aber immer noch keine Bilder vom Haus selbst. Das Haus ist frisch reingekommen beim Makler, die Fotos müssen erst noch gemacht werden.

Die Lage ist sehr gut. Ruhige Wohngegend, das Haus liegt in einer kleinen Sackgasse, keine Hauptstraßen in unmittelbarer Nähe und 5 Minuten zu Fuß zu Lizette & Louis.

Erneut dürfen wir erleben, wie super es ist, dass Lizette & Louis uns so unterstützen. Sie haben sich das Haus schon am Morgen angesehen und auch einen Blick reinwerfen dürfen und sind sehr positiv. Dort wohnt ein niederländisches Paar, dem altersbedingt das große Haus langsam zu viel wird. Deshalb wollen sie verkaufen. Auf den ersten Blick mache alles einen sehr gepflegten Eindruck und ja, die Aussicht sei wirklich schön …

Parallel entdeckt Frank ein weiteres schönes Haus in Heldervue. Lizette und Louis fahren auch dort hin, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Es liegt aber zu nah an einer Hauptstraße und – das lernen wir jetzt wieder dazu – es ist nach Westen ausgerichtet. Genau das fanden wir schön - Nachmittags- und Abendsonne -, aber unter der südafrikanischen Sonne wird es im Sommer bei nach Westen ausgerichteten Häusern viel zu warm. Man würde zwangsläufig alles verdunkeln und hätte dann nichts mehr von der Aussicht. Muss man halt wissen …

Abends kommen erste Details von Edelweiss:

Am Mittwoch kommt eine Mail mit vielen Fotos. Auch wenn die Einrichtung so gar nicht unser Stil ist, gefällt uns das Haus gut. Das Grundstück ist von den Nachbarn nicht einsehbar und die Aussicht ist wirklich sehr, sehr schön. Das könnte etwas werden …

Nach unseren Erfahrungen im November wissen wir jetzt, wie es läuft. Wir bitten Edelweiss, ein entsprechendes Angebot für uns vorzubereiten und bekommen dies noch am selben Abend. In den Anlagen zum Angebot steht dann plötzlich etwas von Feuchtigkeit an einer Wand. Wir können das mögliche Problem gar nicht einschätzen und wollen auf keinem Fall ein Haus kaufen, wo es dann immer muffig und moderig riecht. Was nun?

Früh am nächsten Morgen (Donnerstag) schreibt Frank noch eine WhatsApp-Nachricht an Lizette & Louis und bricht dann zu einem ganztägigen geschäftlichen Termin auf.

Lizette antwortet 2 Minuten später. Unglaublich … sind das denn alles frühsenile Bettflüchter? Die beiden sind auch zu diesem Thema bereits mit Edelweiss in Kontakt, die das mögliche Problem ebenfalls erst gestern Abend realisiert hat, nachdem sie alle Unterlagen von ihrem Kollegen erhalten hatte. Sie werden sich diese feuchte Wand anschauen.

Dann wieder ein paar Fotos (09:20 Uhr) und ein WhatApp-Call, in dem Louis absolut Entwarnung gibt. Es gab wohl vor vielen Jahren im Rahmen von Bauarbeiten einen Feuchtigkeitsschaden, der nie beseitigt worden ist. Die Wand ist aber trocken und es gibt auch keinen Geruch nach Feuchtigkeit in dem Raum. Gut, dass ich Frank auch während seines Termins via WhatsApp erreichen kann. So können wir auf diesem Wege entscheiden, Edelweiss grünes Licht für die weiteren Schritte zu geben.

In dem Angebot wird noch ergänzt, dass wir das Haus persönlich anschauen möchten, ein Rücktrittsrecht haben, falls wir es nach Besichtigung doch nicht kaufen möchten und die Anzahlung erst nach Besichtigung mit positivem Ausgang fällig wird. Wir reduzieren unser Angebot um R 0,595 Mio. gegenüber dem Wunschpreis des Verkäufers, denn das Feuchtigkeitsthema geht uns nicht ganz aus dem Kopf und wir denken, dass auch einige Schönheitsreparaturen anfallen werden. Außerdem verfügt das Haus noch nicht über eine PV-Anlage, die wir angesichts des regelmäßigen Load Shaddings unbedingt haben möchten. Und die Verkäufer sind Niederländer, Händler … Edelweiss hatte ja auch geschrieben „still negotiable“.

Abends ist Frank zurück und um 21:45 Uhr schicken wir das von uns unterschriebene Angebot an Edelweiss. Jetzt heißt es Daumen drücken. Gedanklich planen wir bereits, in der kommenden Woche nach Kapstadt zu fliegen.

Am Freitagvormittag dann die Ernüchterung, die wir umgehend mit Lizette und Louis teilen, die mit uns mitgefiebert haben, als würden sie selbst das Haus kaufen.

Jetzt sind wir schon enttäuscht. Haben wir zu hoch gepokert? So ein Mist …

Doch schon 1,5 Stunden später wendet sich das Blatt erneut.

Händler …, sagen wir ja … Sie bieten nun einen Preis zwischen ihrem und unserem Angebot. Wir überlegen noch einmal hin und her. Angesichts der guten Lage des Grundstücks gehen wir davon aus, dass dieses Objekt sich bestimmt auch wieder gut verkaufen lässt, und Häuser in solcher Lage und mit Aussicht gibt es dann doch nicht so ganz viele.

Schließlich entscheiden wir, auf das Gegenangebot einzugehen. Wow, nach nur 5 Tagen haben wir nun einen gültigen Kaufvertrag.

Wir buchen unsere Flüge.

Am nächsten Morgen sorgt Louis schon mal für etwas Urlaubsfeeling bei uns.

Hurra! Wir fliegen (schon wieder) nach Afrika!

 Südafrikanischer Sommer 

Nur drei Tage später sitzen wir abends wieder im Flugzeug zu einem Ultra-Kurztrip nach Kapstadt (Mittwoch – Sonntag), aufgeregt und voller Vorfreude.

Das Packen war leicht. In Kapstadt ist Sommer und wir brauchen nur wenige leichte Kleidung. Und Badesachen …

Lizette hat bereits zwei Besichtigungstermine für uns organisiert. Einen direkt am Mittwoch, nachdem wir angekommen sind, einen zweiten Besichtigungstermin haben wir am darauffolgenden Morgen. Dann wird auch der Hausinspektor da sein. Der checkt einmal das Haus, damit größere bauliche und technische Mängel ausgeschlossen werden können.

Der Flug ist unkompliziert, der Luftraum über Niger wieder frei. Pünktlich am nächsten Morgen gegen 8.30 Uhr sind wir im Landeanflug auf Kapstadt und dieses Mal treibt es mir die Tränen nicht nur in die Augen, sie fließen ... Dieses Gefühl und der Gedanke, dass das hier unser zweites Zuhause werden könnte, sind so wunderschön.

Wir haben zwar die Nacht im Flugzeug verbracht, aber das Adrenalin tut seine Wirkung. Noch bevor wir das Haus von Lizette & Louis erreichen, fahren wir in die 3 Rue Almes und werfen schon einmal von außen einen Blick auf „unser“ Haus.

Zwei Kaffee, etwas Essen, eine Dusche und etwas Relaxen auf der Terrasse bei Lizette & Louis und wir fühlen uns bereit für die erste Besichtigung.

Voller Erwartungen fahren wir erneut in die Rue Almes, wo Edelweiss und ihr Kollege Shaun schon auf uns warten. Wir werden von den Verkäufern, Anneke und Radboud, freundlich begrüßt, aber dann ziehen sich die beiden sehr schnell auf die Terrasse vor der Eingangstür zurück und überlassen die Führung durch das Haus den Maklern. Offensichtlich fällt es ihnen nicht leicht, sich von ihrem Haus langsam zu verabschieden und fremde Leute dadurch laufen zu lassen.

Der Blick von der Eingangs-Terrasse ist wirklich so schön wie auf den Fotos. Dann geht’s in das Haus. Wir gehen von Raum zu Raum, schauen hier und schauen da. Es ist halt ein 50 Jahre altes Haus und auch wenn es im Großen und Ganzen einen gepflegten Eindruck macht, entdeckt jeder von uns schnell lauter Dinge und Ecken, die nicht so schön aussehen und uns nicht gefallen. Die Räume sind vollgestellt und die Raumhöhe scheint eher niedrig. Die Stuckverzierungen zwischen Wand und Decke ist an einigen Stellen rissig. Das eigentlich große Wohnzimmer wird durch eine Zwischenwand mit einem Bogen geteilt und wirkt dadurch kleiner als es ist. Der gleiche Bogen zerstückelt auch den Flur. Hinter der Küche ist eine Art Wintergarten angebaut, aber weil man das Hausdach nicht verändern wollte, hat dieser Raum zwar große Fenster, aber eine noch niedrigere Decke. Das Schlafzimmer ist riesig und der Blick vom Balkon ist tatsächlich wieder eine Wucht. Immer wieder stoßen wir auf Stellen, wo Radboud Holzarbeiten selbst gemacht hat. Eigentlich gar nicht schlecht, und dennoch wirkt es auf mich zum Teil gebastelt und gestückelt. Der Abstellraum neben der Küche ist dunkel und mit 2 TK-Boxen, Waschmaschine und Trockner und sonstigem Kram auch ziemlich zugestellt.

Das kleine Appartement im Souterrain ist dunkel und das Bad dort abgerockt. Die Makler und auch Louis sagen, dass könnte man auch – wenn man wollte – an einen Bachelor vermieten. Das können wir uns, so wie es aussieht, wiederum gar nicht vorstellen. Es gibt drei große Wassertanks, die wir allesamt eher hässlich finden.

Die ganze Zeit sind wir beide eher schweigsam, reden nicht über unsere Eindrücke, weil wie nicht allein sind. Von der Begeisterung, mit der wir hierhergefahren sind, bleibt gerade ganz viel auf der Strecke. Wir müssen uns jetzt nicht entscheiden, wir haben morgen ja noch einen zweiten Termin. Wir sind enttäuscht und frustriert und im Moment total ratlos. Also verabschieden wir uns erst einmal freundlich aber eher weniger wortreich bis zum nächsten Morgen.

Lizette uns Louis spüren unsere Enttäuschung, sagen aber erst einmal nicht viel. Am Abend, als wir zusammen auf der Terrasse sitzen, fragen sie vorsichtig nach unseren Eindrücken und wir machen kein Geheimnis aus unserer momentanen Stimmung.

Dann fangen wir gemeinsam an, darüber zu reden was uns stört und warum. Zusammen entwickeln wir Ideen, was man wie ändern könnte, damit es schöner aussieht und mehr unseren Vorstellungen entspricht. Und wir führen uns auch noch einmal vor Augen, was an diesem Haus wirklich schön ist.

Kurz bevor wir schlafen gehen, stellen wir uns noch einmal die Frage, was wir denn nun machen wollen mit dieser Situation. Wir stellen fest, dass unsere Gespräche und Überlegungen gezeigt haben, dass es sich bei Dingen, die uns stören eigentlich um Kleinigkeiten handelt, die man mit vertretbarem Aufwand und überschaubaren Kosten ändern kann.

„Also wollen wir dieses Haus immer noch, oder?“

„Ja, es sei denn, wenn wir morgen das zweite Mal dort sind, bekommen wir wieder ein schlechtes Gefühl. Wir können noch nein sagen, auch wenn wir dann umsonst hierher geflogen sind."

Etwas versöhnt gehen wir ins Bett, ohne Decke, nur mit einem Laken. Es ist Sommer in Kapstadt …

Entscheidung

Am nächsten Morgen sind wir ausgeschlafen und die Welt sieht wieder viel fröhlicher aus. Ja, wir wollen dieses Haus immer noch, wenn sich nicht noch irgendwelche größeren Probleme auftun.

Nach dem Frühstück fahren wir zu unserem zweiten Besichtigungstermin und schauen uns alles noch einmal neu mit ausgeschlafenen Augen, bei heller Morgensonne und mit den Ideen aus dem abendlichen Gespräch im Kopf an. Und dann kehrt sie tatsächlich zurück, die Begeisterung, die Freude und die Lust darauf aus diesem Objekt „unser Haus in Afrika“ zu machen.

Im Garten steht ein großer Frangipani-Busch. Gestern habe ich den gar nicht richtig wahrgenommen, aber heute sehe ich ihn in seiner ganzen Pracht. Das hat gerade etwas Symbolisches.

Zwischendurch kommt der Hausinspektor, schaut sich alles an und findet keine relevanten Mängel. Das Dach ist grundsätzlich geeignet für eine PV-Anlage. Die Rundbögen im Haus kann man „begradigen“. Die Aussagen reicht uns. Wir verzichten auf eine schriftliche Bestätigung.

Anneke und Radboud warten wieder auf der Terrasse vor dem Hauseingang auf uns, unterhalten sich mit Shaun und Edelweiss. Wir kommen dazu, alle sehen uns an und Frank beantwortet die ungestellte Frage mit einem ganz pragmatischen Satz.

„Dann müssen wir jetzt wohl noch etwas unterschreiben …“ Und genau das tun wir dann auch. Jetz haben wir ein Haus in Afrika!

Wir unterhalten uns noch ein wenig mit Anneke und Radboud und dann kommt wieder so ein Moment, wo die Welt ganz klein wird. Anneke erzählt in leicht gebrochenem aber gut verständlichen Deutsch, dass sie einige Jahre in Deutschland gelebt habe. In Hohenlimburg, einem Stadtteil von Hagen. Verrückt …

Die beiden wissen noch nicht genau, ob sie eine Dependance ist Somerset West behalten wollen oder mit ihrer Rückkehr in die Niederlande alle Zelte hier abbrechen werden. Wir bieten an, dass wir zu gegebener Zeit darüber sprechen können, ob es Dinge gibt, die wir vielleicht übernehmen wollen. Die vielen antiken Möbelstücke sicherlich nicht, das ist zumindest in dieser Menge, nicht unser Stil. Aber über Gartenmöbel- und geräte sowie diverse Gebrauchsgegenstände kann man sicherlich reden.

Nachdem wir nun unsere Entscheidung gefällt haben, teste ich kurze Zeit später, wie es sich anfühlt, eine Online-Konferenz mit dem Kinderschutzbund aus SA zu haben. Funktioniert recht gut … Am Nachmittag sind wir mit Gisela, unserer Finanzberaterin vor Ort verabredet. Bisher kennen wir uns nur per Telefon und Mail.

Dann sind die Pflichttermine für den Tag erfüllt und wir wenden uns deutliche entspannteren Themen zu: Möbelhaus-Sight-Seeing mit Lizette & Louis. Große Möbelhäuser, wie wir sie kennen, gibt es hier nicht. Es sind eher kleinere Geschäfte, in denen man aber gefühlt alles bekommt, was man braucht. Betten, Tische … das alles kann man sich auch individuell konzeptionieren und anfertigen lassen. Ich checke schon mal das Angebot an Bettwäsche, Handtücher, Geschirr und freue mich auf den Spätsommer, wenn wir unsere Pläne in Taten umsetzen werden.

Abends sind Lizette und Louis zu einem Weintasting im Croyden Vineyard Estate eingeladen. Wir waren nicht eingeplant, aber ein Telefonat und wir sind auch herzlich eingeladen. Die Weine werden von einem Weingut präsentiert und das Essen für den Abend ist eine bunte und leckere Mischung aller möglicher Gerichte, die die Teilnehmer mitbringen. Typisch südafrikanisch ergibt es sich schnell, dass an unserem Tisch die Frauen und die Männer jeweils zusammensitzen. Beide werden wir in unserm jeweiligen Kreis sehr freundlich aufgenommen und es dauert nicht lange, da gibt’s schon Vorschläge für gemeinsame Aktivitäten, wenn wir dann ab September vor Ort sind. Na klar, bis dahin dauert es noch etwas, aber trotzdem haben diese Angebote etwas, das es nicht nur als höfliches Geplänkel wirken lässt. Wir beenden den Abend dort mit dem guten Gefühl, dass man viel leichter als bei uns neue Kontakte wird knüpfen können, wenn man offen ist und sich selbst auch darum bemühen wird.

Es ist Vollmond am Kap. Laut Google steht Vollmond für "Wachstum und Wünsche mit aufbauendem Charakter" ... 😉

Am Freitag testet auch Frank erfolgreich, wie man aus SA online arbeiten kann.

Edelweiss hat für uns einen Termin mit dem Notariat, dass die gesamte Transaktion als Conveyancer abwickeln wird, koordiniert. Dort unterschreiben wir alles notwendige, so dass wir bis zum finalen Transfer der Immobilie möglichst nicht noch einmal nach Kapstadt kommen müssen.

Danach ist Urlaub …

Nachmittags Fortsetzung der Tour durch die Weingüter der Region, die wir im September begonnen hatten.

Am frühen Abend noch einen gemütlichen Ausklang im – ja, wie heißt das denn hier eigentlich? – „Weingarten“? – mit Live-Musik vor beeindruckender Kulisse.

Samstag dann kleine Pässe-Fahrt durch die Weinregion: Spice Route, Simonsvlei … Wein und Kunst …

Sonntag noch einmal Sonne und Meer, bevor wir ins kalte Deutschland zurückfliegen.

Februar - August 2024 - Noch sieben Monate ...

 Wir machen eine Liste … 

Jetzt haben wir also tatsächlich ernst gemacht mit unserem Traum von Afrika. Es fühlt sich komisch an: Wir freuen uns, sind voller Pläne und Ideen und gleichzeitig sind es noch sieben Monate, bis wir unser Haus tatsächlich in Besitz nehmen werden. Ende März wird das Haus in unser Eigentum übergehen und dann werden wir es zunächst bis Ende August an Anneke und Radboud vermieten (das ist Teil des Kaufvertrages). Diese Konstellation macht für beide Seiten Sinn, denn wir wollen zunächst einmal den Sommer in jedem Fall in Deutschland verbringen und die beiden brauchen definitiv Zeit, um ihren Umzug in die Niederlande zu organisieren und sich von ihrem Leben in Somerset West zu verabschieden.

Wir brauchen diese Monate auch, um jetzt endlich all die Reparatur- und Sanierungsarbeiten an unserem Haus in Greven in Angriff zu nehmen, die wir die letzten Jahre immer wieder aufgeschoben hatten oder von Handwerkern immer wieder vertröstet worden waren.

Wir machen eine Liste der Dinge, die wir unbedingt bis Ende August erledigen wollen:

  • Geldtransfer nach Südafrika / AWV-Meldungen
  • Sanierungsarbeiten am Haus (die schon länger fällig sind)
  • Vorsorgetermine bei diversen Ärzten
  • Versicherungen checken (was decken unsere Versicherungen ab, was brauchen wir neu in SA?)
  • IT-Ausstattung + Internet-Telefonie
  • Umstellung von Papier-Post auf Mail, wo immer dies möglich ist
  • Cloud-Lösungen, damit wir weiterhin auf alles Zugriff haben, ohne Unmengen von Aktenordnern hin- und hertransportieren zu müssen
  • Kleiderschrank ausmisten (was brauchen wir eigentlich wirklich, was haben wir doppelt und können es prima mitnehmen, was kann weg und was braucht man vielleicht neu?)
  • Garage aufräumen, damit das Auto dort stehen kann (jetzt werden wir auch mein Motorrad endlich verkaufen)
  • Langzeit-Automiete in SA

Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir uns nicht gedanklich mit unserem zukünftigen Leben in Südafrika beschäftigen. Wir bekommen weiterhin Immobilienangebote zugeschickt, die wir uns mal mehr mal weniger intensiv ansehen. So bekommen wir immer wieder neue Anregungen, wie man Räume gestalten könnte. Und ganz nebenbei freuen wir uns regelmäßig, dass es offensichtlich kaum Häuser im Angebot gibt, die einen so schönen Blick haben, so ruhig und doch zentral liegen und bezahlbar sind. Offensichtlich haben wir zunächst einmal alles richtig gemacht.

Wir haben einschlägige Webseiten für die Kapregion abonniert und bekommen immer wieder neue Infos, Veranstaltungsankündigungen, Restaurantempfehlungen. Es wird dort wohl nicht langweilig werden … Lizette und Louis versorgen uns zusätzlich mit Fotos und Infos, die die Vorfreude steigern.

Liebe Nachbarn

Eines der Themen, die uns unter den Nägeln brennen, ist, das Haus in Greven während unserer Abwesenheit gut versorgt zu wissen. Wir haben verschiedene Möglichkeiten im Kopf, aber noch keine gefunden, die uns so wirklich zufrieden stellt. Für eine Teillösung, nämlich unsere Post zu checken, gegebenenfalls zu öffnen und uns ein Foto zu schicken, spreche ich unsere Nachbarin Petra an. Die letzten Jahre haben wir uns immer gegenseitig bei Urlaubsabwesenheiten um Haus und Garten der anderen gekümmert. Und dann ist es wie ein 6er im Lotto, als Petra und Hansi uns anbieten, sich insgesamt um Haus und Garten zu kümmern. Das ist die perfekte Lösung für uns, denn den beiden vertrauen wir total, und wir freuen uns riesig. Liebe Nachbarn muss man haben … Hoffentlich können wir uns zu gegebener Zeit mit einem schönen Urlaubsprogramm in/um Kapstadt bei den beiden revanchieren.

Visa Stories

Im März kontaktieren wir drei Agenturen, die bei der Beantragung langfristiger Visa unterstützen, und entscheiden uns für „Intergate“. Die scheinen das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bieten.

Ein einfaches Touristenvisum, dass man problemlos bei der Einreise am Flughafen bekommt, gilt maximal für 90 Tage. Spätestens am 90. Tag müsste man ausreisen (nicht nur in ein Nachbarland, sondern man müsste den Kontinent verlassen), um dann 1-2 Wochen später wieder als Tourist einzureisen. Dieses umständliche und teure Procedere möchten wir möglichst vermeiden.

Es gibt viele verschieden Arten von Visa für einen Langfristaufenthalt, aber für uns in Frage kommt eigentlich nur ein Rentnervisum oder ein unbefristetes Visum. Das unbefristete Visum ist zwar praktisch, aber nach unseren Informationen kann die Bewilligung mehrere Jahre dauern und teuer wäre es auch. Daher entscheiden wir uns für die Beantragung eines Rentnervisums.

Da Frank auch zukünftig noch Einkünfte aus selbständiger Arbeit haben will und wird, ist er kein Rentner … Die Lösung ist, dass ich ein Rentnervisum beantragen werde (das gilt dann für vier Jahre) und wir im gleichen Zuge für Frank ein Visum beantragen werden, um mich als mein Ehepartner nach Südafrika zu begleiten … 😊 Warum auch immer, wird das Visum für Frank nur eine Laufzeit von drei Jahren haben, aber man kann dann immer wieder eine Verlängerung beantragen.

Wir bekommen eine Liste von Unterlagen, die wir beschaffen und teilweise notariell beglaubigen lassen müssen, und viele Hinweise, was wir wie argumentieren und belegen sollten. Das ist grundsätzlich alles machbar und kein Problem. Die teilweise notwendigen Übersetzungen erledigt die Agentur für uns; das funktioniert alles relativ zügig.

Die einzige Schwierigkeit besteht darin, dass ich ein unwiderrufliches monatliches Mindesteinkommen nachweisen muss. Auf meine Rentenbezüge muss ich noch bis 2030 warten. Die Agentur empfiehlt, Mieteinkünfte und Einkünfte aus Kapitalvermögen zu benennen und mit Kontoauszügen zu belegen. Ich bin sehr skeptisch, ob das funktioniert, denn Einkünfte aus Kapitalvermögen schwanken von Jahr zu Jahr und sind daher nicht unwiderruflich. Um sicher zu gehen, schließe ich nach einigem Hin und Her einen Auszahlplan ab mit einer fixen Auszahlung pro Monat, beginnend ab Mai 2024.

So langsam läuft uns die Zeit etwas davon, denn wir wollen in der zweiten Augusthälfte nach Kapstadt fliegen, um dort das Haus formal zu übernehmen. Es heißt, dass es vom Zeitpunkt des Visaantrags bis zur Ausstellung bis zu 10 Wochen dauern kann. In dieser Zeit liegen unsere Pässe in der südafrikanischen Botschaft und sollten wir zunächst ohne die Langfristvisa einreisen müssen, bräuchten wir jeweils einen zweiten Pass. Außerdem müssten wir später doch noch einmal zurück nach Deutschland, um dann erneut mit unseren Langfristvisa einzureisen.

Am 22.05. fahren wir schließlich nach Berlin, um am nächsten Morgen in der südafrikanischen Botschaft in Berlin unsere Visaanträge zu stellen. Die Botschaft öffnet um 9.00 Uhr, um 8.40 Uhr sind wir dort und reihen uns in die Schlange der Wartenden ein.

Die Wartezeit beträgt drei Stunden, zwischendurch muss Frank noch einmal los, um unser Parkticket zu verlängern, und dann sind wir endlich dran. Eine sehr freundliche Botschaftsmitarbeiterin schaut sich alle unsere Dokumente in Ruhe an. Dann gibt sie uns schon mal alle Nachweise über Kapitalerträge zurück, weil man die nicht anerkennen würde …

Mieterträge sind ok, aber man stellt fest, dass der bestehende Mitvertrag ja gar nicht zwischen mir und der Mieterin geschlossen sei. Dass nach deutschem Recht ein Mietvertrag im Erbfall automatisch mit allen Rechten und Pflichten auf die Erben übergeht, interessiert nicht … in Südafrika ist das anders …  Außerdem reichen die Kontoauszüge aus dem Onlinebanking, die die Mieteinkünfte belegen, so nicht aus. Sie müssen von der Bank gestempelt und unterschrieben sein.

Den Auszahlplan würde man wohl akzeptieren, allerdings müssten die Einkünfte daraus für mindestens 6 Monate bereits erfolgt und belegt sein. Ob das mit bisher nur einer belegten Auszahlung reichen würde, könne man uns nicht versprechen. Und auch hier reicht der Kontoauszug mit dem ersten Zahlungseingang nicht aus, sondern er muss ebenfalls gestempelt und unterschrieben werden.

Immerhin werden unsere Anträge nicht abgelehnt, sondern man gibt uns eine Woche, um die fehlenden Unterlagen nachzureichen. Sollten bis dahin die Unterlagen nicht vorliegen, müsse man unseren Antrag ablehnen.

Am nächsten Morgen fahre ich zunächst nach Münster um in der Commerzbank den Kontoauszug zum Auszahlplan stempeln und unterschreiben zu lassen. Dann fahre ich weiter nach Hagen, um mit der Wohnungsmieterin ein Dokument (in Englisch und Deutsch) zu unterschreiben, das die unveränderte Fortführung des Mietvertrages seit 2018 bestätigt. Die Dame ist über 80 und der englischen Sprache nicht mächtig, aber zum Glück vertraut sie mir zu 100%. Dann weiter zur Sparkasse Hagen um die weiteren Kontoauszüge stempeln und bestätigen zu lassen. Die Servicemitarbeiter dort können das nicht, dazu müsse ich mich an meinen Kundenberater wenden. Der ist den ganzen Tag in einer Besprechung, aber eine freundliche Dame am Empfang der Abteilung fragt mich, ob sie denn irgendwie helfen könne. Ich erzähle ihr unsere Geschichte und warum ich diese Unterlagen jetzt so dringend brauche, und dann breitet sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Sie sei jetzt gerade für drei Wochen erstmals in Namibia gewesen und total begeistert von diesem Urlaub. Ruckzuck habe ich alles, was ich brauche.

Am Samstagmorgen schicken wir alles per Express-Brief nach Berlin.

Parallel versuchen wir mit Raboud zu klären, wann sie denn nun tatsächlich ausziehen werden, damit wir unsere Flüge buchen können. Eine Zeit lang sah es so aus, als würden sie vielleicht nicht bis Ende August im Haus bleiben und die Übergabe früher stattfinden, aber wir bekommen lange keine konkrete Aussage. Jetzt endlich nach mehrmaligem Nachfragen teilen sie uns mit, dass sie nun doch bis Ende August brauchen werden, um das Haus komplett zu räumen. Laut Vertrag müssen sie das spätestens bis zum 31.08. tun. Wir buchen unsere Flüge nach Kapstadt jetzt für den 24. August. Dann können wir in der ersten Woche schon einmal mit der Koordination von Handwerkern beginnen und die Möbelgeschäfte abklappern.

Zwei Wochen nach Beantragung unserer Visa bekommt Frank eine Nachricht von DHL, dass ein Expressbrief von der südafrikanischen Botschaft auf dem Weg sei. So schnell? Haben die jetzt doch abgelehnt?

Aber nein, am nächsten Morgen halten wir unsere Visa in den Händen … 😊

Endspurt

Ende Juni rücken wir gefühlt schon mal ein wenig näher an Südafrika heran. Wir bzw. der „Old Table Rheine“ bekommen Besuch von 13 Freunden aus Südafrika., eine Fortführung des Twinnings mit Round Table Richards Bay, das wir 1999 mit ins Leben gerufen haben. Lizette und Louis sind auch dabei. Die anderen kennen wir bislang nur von Erzählungen, aber das ändert sich schnell. Zusammen mit dem Old Table Rheine und dieser ausgesprochen netten Gruppe verbringen wir sechs anstrengende, aber tolle Tage in/um Rheine, Emden und Münster.

Nach dieser Woche verabschieden wir uns mit einem fröhlichen „See you in South Africa“ und können kaum glauben, dass es für uns keine zwei Monate mehr dauern wird, bis wir uns auf den Weg machen werden.

Wir haben mit all unseren TODOs früh angefangen und sind wirklich gut vorbereitet. Deshalb gönnen wir uns in der ersten Julihälfte auch noch einmal Urlaub. Zunächst fahren wir für vier Tage zur 40. Triathlon-Challenge nach Roth. Von dort wollen wir dann weiter nach Garmisch, um in sechs Tagen mit den Mountainbikes bis zum Gardasee zu fahren. Dumm nur, dass ich in Roth feststelle, dass ich den Schlüssel für meinen Fahrrad-Akku zuhause vergessen habe. Sollte ich doch etwas gestresst sein?

Es nützt nichts … ohne Schlüssel keine Alpenüberquerung. Während Frank an dem Samstag als Volunteer bei den Vorbereitungen für den Triathlon-Wettkampf am Sonntag hilft, fahre ich 6 Stunden zurück nach Hause, hole den Schlüssel und fahre weitere 6 Stunden zurück nach Roth. Da die Autobahnen trotz Urlaubszeit nicht so voll sind, ist es am Ende gar nicht so schlimm.

Am Sonntag verfolgen wir den Wettkampf, an dem in diesem Jahr Sarah und Frank (ein anderer Frank ...) teilnehmen. Nächstes Jahr will Frank auch wieder dabei sein.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Nürnberg, wo wir ehemalige Siemens-Azubi-Kollegen von Frank treffen, geht's weiter nach Garmisch, von wo aus wir am Dienstag dann auf unsere Alpentour starten. Sechs Tage auf dem Fahrrad mit einem Regenpausentag zwischendurch machen uns sehr viel Spaß.

Countdown

Nach unserer Alpen-Auszeit sind es jetzt noch fünf Wochen bis zu unserer Abreise. Das Gefühl gut vorbereitet zu sein hält an … für weitere zwei Wochen … Und dann kommt – es war ja zu erwarten – doch noch mächtig Hektik auf.

Frank hat plötzlich doch noch mehr und aufwendigere berufliche Themen auf dem Tisch, die unbedingt noch abgearbeitet werden müssen. Ich habe mir für die letzten Wochen noch eine Menge Verabredungen vorgenommen, die mir wichtig sind, aber auch viel Zeit beanspruchen. Gleichzeitig will ich den Garten, obwohl es ja erst August ist, schon einigermaßen herbst-/winterfest machen, damit Petra und Hansi nicht sofort so viel zu tun haben: Gemüsebeete abräumen, Hecken und Sträucher zurückschneiden. Frank streicht noch das Gartenhaus, damit es den kommenden Winter gut übersteht.

Sachen, wie Verkauf meines Motorrads und eines alten Kühlschranks, die im Moment noch die Garage blockieren, erledigen wir glücklich in der letzten Woche, parallel zum Zusammensuchen all der Dinge, die wir mitnehmen wollen.

Ich werde jetzt immer wieder gefragt, ob wir denn schon sehr aufgeregt seien. Nein, für Aufregung haben wir keine Zeit, wir sind im Stress! Die Nächte werden kürzer und wir müder. Aber wir bekommen es hin – irgendwie …

Am Morgen des 24. Augusts transportieren wir mit unserem Anhänger vier Koffer und einen Fahrradkoffer zum Flughafen und checken unser Gepäck dort ein. Wir fahren zurück, Hänger unter den Carport, Auto in die Garage und dann mit dem Linien-Bus zurück zum Flughafen.

„Tschüss Haus, bis in 7 Monaten …“

Wie gut, dass der Flughafen Münster Osnabrück nur 10 Minuten von uns entfernt und so klein und entspannt ist. Wir starten einigermaßen pünktlich und gegen 12.00 Uhr landen wir in Frankfurt. Den Tag verbringen wir in der Stadt mit Einkaufsbummel und dem „Museumsuferfest 2024“.

Wir haben Glück, dass unser Flugzeug nach Kapstadt nicht komplett ausgebucht ist. Jeder von uns hat zwei Sitzplätze für sich.

Mit etwas Verspätung verlassen wir abends gegen 22.30 Uhr das sommerliche Deutschland und fliegen in den südafrikanischen Frühling …